Grüne Bundeswertpapiere – die grünen Zwillingsanleihen des Bundes

Am 2. September 2020 hat der Bund erstmals ein grünes Bundeswertpapier begeben. Bis Jahresende wird in grünen Papieren voraussichtlich ein Volumen von bis zu 11 Mrd. € emittiert werden.

Die grünen Ausgaben im Bundeshaushalt

(englischsprachig, Filmdauer 8:24 Minuten)

Das Zwillingskonzept

(englischsprachig, Filmdauer 8:20 Minuten)

Die grüne Erstemission

Das Besondere: Die neuen grünen Wertpapiere des Bundes werden stets an ein bestehendes konventionelles Bundeswertpapier angelehnt und mit übereinstimmenden Merkmalen ausgestattet sein. So entstehen Zwillingsanleihen mit identischem Kupon und identischem Fälligkeitstermin. Sie haben jedoch unterschiedliche Emissionsvolumen: Das konventionelle Bundeswertpapier ist jeweils deutlich größer als der grüne Zwilling. Beide erhalten jeweils eine eigene Kennnummer (ISIN). Perspektivisch plant der Bund, Zwillingsanleihen mit den Laufzeiten 2, 5, 10 und 30 Jahre anzubieten und auf diese Weise eine grüne Zinskurve aufzubauen.

Das erste grüne Bundeswertpapier ist eine Grüne Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren (ISIN DE0001030708). Sie ist somit die grüne Zwillingsanleihe der am 17. Juni 2020 neu begebenen konventionellen 10-jährigen Bundesanleihe 2020 (2030) II mit ISIN DE0001102507.
Im vierten Quartal soll die erste Grüne Bundesobligation folgen.

Aktuell umlaufende grüne Bundeswertpapiere & konventionelle Zwillinge

Anleihe Fälligkeit Kupon Umlaufend letzte Auktion ISIN
Kein Wertpapier gefunden.
2020 (2030) Bund/g 15.08.2030 0,00 % 6.500 Mio. € 02.09.2020 DE0001030708
2020 (2030) II Bund 15.08.2030 0,00 % 24.500 Mio. € 09.09.2020 DE0001102507

Die Emissionsbedingungen für grüne Bundeswertpapiere und ihre konventionellen Zwillinge sind nach einem Klick auf die jeweilige ISIN in den Wertpapierstammdaten abrufbar.

Das grüne Rahmenwerk

Gute Gründe

Die Ausgaben sollen einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Sie werden daher allgemeinhin als grüne Ausgaben bezeichnet.

Mit der Emission von grünen Bundeswertpapieren und dem damit verbundenen Reporting schafft die Bundesrepublik Deutschland eine hohe Transparenz über die grünen Ausgaben im Bundeshaushalt. Bei der Auswahl der grünen Haushaltspositionen orientiert sich der Bund an etablierten internationalen Marktstandards, etwa den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN Sustainable Development Goals) oder den Green Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA).

Bund und Finanzagentur verfolgen zudem das Ziel, den Markt für grüne und nachhaltige Anlageformen bedeutend zu stärken und entscheidend weiterzuentwickeln. Durch das Konzept der Zwillingsanleihen erhalten Investoren einen tiefen Einblick in die Strukturen des Marktes. Das gilt zum einen für den Preisunterschied zwischen konventionellen und grünen Bundeswertpapieren, zum anderen für die Nachfragepräferenzen der Marktteilnehmer für unterschiedliche Laufzeitkategorien grüner Anleihen.

Die Zwillingsanleihen des Bundes

Schaubild zu den Merkmalen eines konventionellen und eines grünen Bundeswertpapiers

Benchmarkstatus verlangt überlegtes Vorgehen

Bundeswertpapiere sind die Referenz für andere Zinsprodukte im Euroraum. Um diese wichtige Funktion zuverlässig erfüllen zu können, müssen Bundeswertpapiere besondere Eigenschaften besitzen. Neben der außerordentlichen Kreditwürdigkeit des Emittenten Bund ist dies ihre gute Liquidität: Investoren müssen Gewissheit haben, die Papiere jederzeit auch in großen Mengen kaufen und verkaufen zu können. Das setzt große umlaufende Volumen pro Bundeswertpapier voraus, im Falle einer Bundesanleihe mit 10-jähriger Laufzeit ist das zum Beispiel ein Betrag von über 20 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund geht die Bundesrepublik Deutschland die Auflegung eines neuen Finanzierungsinstruments stets mit besonderer Sorgfalt an. Denn: Die Einführung grüner Bundeswertpapiere würde unter sonst gleichen Bedingungen das Emissionsvolumen der konventionellen Bundeswertpapiere schmälern.

Liquidität in konventionellen Bundeswertpapieren

Genau genommen würde die Emission grüner Bundeswertpapiere dazu führen, dass das für den Markt verfügbare Volumen konventioneller Bundeswertpapiere exakt um das Emissionsvolumen der grünen Schuldtitel sinkt. Diesen Nachteil räumt die Finanzagentur aber aus, indem sie den Eigenbestand in der konventionellen Anleihe im Emissionszeitpunkt des grünen Wertpapiers erhöht – und zwar in einer Höhe, die genau dem grünen Emissionsvolumen entspricht.

Dieser zusätzliche Eigenbestand kann am Sekundärmarkt für Repo-Geschäfte oder zur Wertpapierleihe der konventionellen Anleihe genutzt werden. Die hohe Liquidität der konventionellen Bundeswertpapiere bleibt daher – gegenüber einer Situation ohne grüne Bundeswertpapiere – nahezu unverändert, wodurch der Benchmarkstatus des Bundes unterstützt und gesichert wird.

Höherer Wert für Investoren

Halter von Bundeswertpapieren schätzen es, jederzeit große Volumen handeln zu können. Sie betrachten die Bonität des Emittenten, den verlässlichen Marktauftritt und die transparente Emissionspolitik als überaus wertvolle Alleinstellungsmerkmale. Dies gilt für konventionelle und grüne Bundeswertpapiere gleichermaßen. Bei Letzteren wird nun eine zusätzliche Transparenz über die grünen Ausgaben im Bundeshaushalt geschaffen. Sie haben – so die gemeinsame Einschätzung von Bund und Finanzagentur – daher grundsätzlich einen höheren Wert als konventionelle Bundeswertpapiere. Der Preis grüner Bundeswertpapiere sollte aus Sicht des Emittenten daher mindestens so hoch sein wie jener des konventionellen Zwillings.

Zwillingskonzept: Umsetzung im Primär- und Sekundärmarkt

Am Primärmarkt wird der Verkauf grüner Bundeswertpapiere nach ihrer Erstbegebung im Syndikat entweder weiterhin im Syndikatsverfahren oder im etablierten Tenderverfahren des Bundes fortgeführt. Unabhängig vom Begebungsverfahren wird jedoch stets gleichzeitig das konventionelle Bundeswertpapier in den Eigenbestand des Bundes aufgestockt.

Am Sekundärmarkt fürht die Finanzagentur ihre bei den konventionellen Bundeswertpapieren etablierten Aktivitäten in verstärktem Maße auch für grüne Bundeswertpapiere aus. Die Konstruktion als Zwillingsanleihen und der erhöhte Eigenbestand in konventionellen Wertpapieren erleichtern hier kombinierte und schuldenneutrale Kauf-/Verkaufstransaktionen zwischen beiden Anleihen. Durch diese ist der Bund in der Lage, seine Aktivitäten transparent und ökonomisch sinnvoll durchzuführen und dabei die höhere Wertigkeit grüner Bundeswertpapiere im Vergleich zu ihren konventionellen Zwillingen abzubilden.

Wie geht es weiter?

Konventionelle Bundeswertpapiere sind die Zinsbenchmark für den Euroraum. Der Bund beabsichtigt, perspektivisch eine grüne Renditekurve für den Euroraum zu etablieren – mit denselben Laufzeitschwerpunkten von 2, 5, 10 und 30 Jahren, die auch auf der konventionellen Kurve zu finden sind. Die Renditen der grünen Bundeswertpapiere in diesen Laufzeitklassen werden, so das Ziel des Bundes, schon bald die Zinsreferenz für den Euro Green Finance Markt darstellen.

Hierdurch wird Marktteilnehmern mit relativ kurzen (z.B. Zentralbanken), mittleren (z.B. Investmentfonds) und relativ langen Planungshorizonten (z.B. Pensionsfonds) in naher Zukunft eine grüne und transparente Anlagealternative mit erstklassiger Bonität zur Verfügung stehen.

Die grüne Bundkurve

Chart einer grünen Bund-Kurve mit grünen Bundeswertpapieren

Grüne und konventionelle Bundeswertpapiere werden als Zwillingsanleihen emittiert. Perspektivisch wird eine Renditekurve für grüne Bundeswertpapiere und damit eine grüne Zinsreferenz für den Euroraum entstehen.