Bundeswertpapiere sind Inhaberschuldverschreibungen, die täglich gehandelt werden und daher jederzeit den Besitzer wechseln können. Welche Person oder Institution sie hält, wird nicht registriert. Die Gläubigerstruktur des Bundes lässt sich jedoch anhand verschiedener Informationsquellen schätzen. Dazu zählen öffentliche Daten, wie bspw. die hier bisher veröffentlichte offizielle Statistik der aggregierten Halterdaten der Securities Holdings Statistics (SHS) der EZB, Geschäftsberichte größerer Investoren oder Berichterstattung in den Medien. Die Finanzagentur nutzt diese offiziellen Quellen sowie eigene Gespräche mit Investoren zur Plausibilisierung.

Die hier ab 2026 veröffentlichte Gläubigerstatistik basiert jedoch auf den Handelsdaten der Mitglieder der Bietergruppe Bundesemissionen. Anhand deren Käufen und Verkäufen an Endinvestoren ist es mit Kenntnis der Fälligkeit der gehandelten Bundeswertpapiere möglich, die Bestände nach Investorengruppen und Regionen zu schätzen.

Gläubigerstruktur nach Regionen

Anteile 30.06.2025

Anteile 30.06.2026

Übriges Europa = Europa außerhalb des Euroraums, Sonstige = Afrika & arabische Staaten

Entwicklung der Bestände über die letzten 10 Jahre

Investoren aus Asien besitzen zum zweiten Quartal 2026 so viele Bundeswertpapiere wie nie zuvor. Diesen Rekord erreichen sie mit der größten Dynamik unter allen Regionen: plus 18 %. Überproportional zum ausstehenden Volumen stiegen mit 13 bzw. 12 % auch die Bestände im übrigen Europa sowie den ‚sonstigen‘ Regionen, während die mit Abstand bedeutendsten Investoren im Euroraum nur marginal mehr kauften. 

Analog zum deutlichen Abbau bei den Hedgefonds finden sich amerikanische Investoren mit fast 40 % niedrigeren Beständen klar auf der Verkäuferseite.

Gläubigerstruktur nach Investorentypen

Anteile 30.06.2025

Anteile 30.06.2026

Real Money = Asset Manager, Versicherungen, Pensionsfonds und Sonstige (insb. Privatanleger und nicht-finanzielle Unternehmen)

Entwicklung der Bestände über die letzten 10 Jahre

Dass Trends in Handelsumsätzen nicht als Indikator für mögliche Bestandsumschichtungen dienen sollten, zeigen zwischen Q2 2025 und Q2 2026 einmal mehr Real Money Investoren und Hedgefonds. Erstere stockten ihre Bestände an Bundeswertpapieren am deutlichsten auf, um ein Fünftel auf einen neuen Höchstwert von 437 Mrd. € während ihre Umsätze sanken. Genau umgekehrt halbierten Hedgefonds bei signifikant höheren Umsätzen ihre Bestände nahezu. Auch Banken & Broker erreichen mit 363 Mrd. € eine neue Rekordmarke. Wie Zentralbanken & OI wachsen ihre Bestände jedoch ungefähr im (7 %) Gleichlauf mit der steigenden Bundeschuld bzw. dem ausstehenden Bundeswertpapiervolumen.

Rund 10 % des Volumens aller Bundeswertpapiere verwahrt die Finanzagentur im Depot des Bundes selbst - im so genannten Eigenbestand.  Mit Bundeswertpapieren aus dem Eigenbestand wird jeden Tag die Liquidität am Sekundärmarkt sowie am Repomarkt gefördert. Papiere, die im Handel knapp sind, können in den Markt gegeben werden. Zum Aufbau und Erhalt des Eigenbestands wird bei jeder Emissionen ein Anteil einbehalten, die sogenannte Marktpflegequote.