Primärmarkt

Der Bund deckt nahezu 100 Prozent seines Kreditbedarfs über Einmalemissionen im Primärmarkt. Dabei erfolgt die Emission grundsätzlich im Tender- bzw. Auktionsverfahren, an dem sich Finanzinstitute beteiligen können, sobald sie in die Bietergruppe Bundesemissionen aufgenommen wurden.

Fast seinen gesamten Kreditbedarf deckt der Bund über im Auktionsverfahren begebene Einmalemissionen. Der genaue Emissionsplan für das gesamte Kalenderjahr wird im Voraus veröffentlicht.

Spezielle Finanzierungsinstrumente wie bspw. die 2005 und 2009 begebenen US Dollar-Anleihen oder die 2013 emittierte Bund-Länder-Anleihe platzierte der Bund über ein Bankenkonsortium (Syndikat) im Primärmarkt.Ebenso wurden die erste 10-jährige sowie die erste 30-jährige inflationsindexierte Bundesanleihe 2006 und 2015 im Syndikat begeben. 2020 folgten gleich drei Syndikate: zur Neuemission der ersten 15-jährigen Bundesanleihe, zur großvolumigen Aufstockung einer 30-jährigen Bundesanleihe sowie zur Neuemission der ersten (zehnjährigen) Grünen Bundesanleihe.

Die vom Bund geplanten Einmalemissionen werden grundsätzlich bereits zum Ende des Vorjahres in der Jahresvorausschau für das folgende Kalenderjahr angekündigt. Seit der Jahresvorausschau für 2013 wird für das komplette Folgejahr zudem ein detaillierter Emissionskalender mit genauen Auktionsdaten veröffentlicht, um den Investoren noch mehr Planungssicherheit zu geben.

In deutlich geringerem Umfang tragen die sporadisch individuell mit Finanzinstituten abgeschlossenen Schuldscheindarlehen sowie die im Nachgang einer Auktion im Rahmen der Sekundärmarktaktivitäten abgesetzten Bestände an Bundeswertpapieren zur Finanzierung des Bundes bei.

Emissionsvolumen (Mrd. €) von Bundeswertpapieren

Chart zum jährlichen Auktionsvolumen der Bundeswertpapiere

Der 2009 merklich erhöhte Anteil kurzfristiger Papiere am Auktionsvolumen wurde in den Folgejahren nahezu kontinuierlich zurückgefahren und erreichte parallel zur Einstellung der 12-Monats-Bubills im Jahr 2017 ein Minimum. Mit der Einführung eines neuen Emissionsmusters und damit Aufstockungen bei den 6-Monats-Bubills bewegte sich der Anteil der Geldmarktpapiere seit 2018 wieder auf das höhere langjährige Durchschnittsniveau von rund einem Viertel des gesamten Auktionsvolumens zu.

Als Reaktion auf den kurzfristig spürbar höheren Covid-19-bedingten Finanzierungsbedarf kam es durch die Anpassungen ab dem zweiten Quartal 2020 stattdessen zu einer Vervierfachung der Geldmarktemissionen auf 181 Mrd. € gegenüber 2019. Seit dem dritten Quartal 2020 werden dabei keine 6-Monats-Bubills mehr neu begeben. Stattdessen eröffnen die seit dem zweiten Quartal monatlich neu emittierten 12-Monats-Bubills über jeweils fünf Aufstockungen bis zu ihrer Fälligkeit Anlagemöglichkeiten in den sechs Restlaufzeiten: zwölf, elf, neun, sechs, fünf und drei Monate. Dieses Emissionsmuster wird auch 2021 fortgeführt. Die Unverzinslichen Schatzanweisungen mit 12 Monaten Laufzeit sind damit seit 2020 das erste Bundeswertpapier, in dem ein dreistelliges Milliardenvolumen begeben wurde. Ein Rekord, der 2021 noch einmal bis fast auf eine Viertelbillion € signifikant ausgebaut werden wird.

Das Emissionsvolumen der nominal verzinsten klassischen Kapitalmarktpapiere des Bundes änderte sich im Vergleich zu den Quantensprüngen am Geldmarkt gegenüber den Vorjahren selbst 2020 kaum. Außer bei den Bobls (-1 Mrd. €) kam es 2020 nur zu minimalen Erhöhungen von 2 bis 5 Mrd. €. 2021erhöhen sich die Auktionsvolumen von Schätzen um 8 Mrd. € und von Bobls um 9 Mrd. € während 1 Mrd. € weniger Bund10 geplant sind und das finale Volumen aller Bund30 aufgrund einer Syndikats-Begebung in bisher unbestimmter Höhe noch nicht fixiert ist.
Den Großteil des zusätzlichen Finanzierungsbedarfs am Kapitalmarkt deckt der Bund seit 2020 über neue Finanzierungsinstrumente ab. So wird den 2020 erstmals begebenen 7- und 15-jährigen Bundesanleihen auch 2021 jeweils ein neues Papier in etwa dem Vorjahresvolumen folgen.

Die Begebung Grüner Bundeswertpapiere 2020 wurde hingegen bereits 2019 geplant. Bei erfolgreichen Premieren der ersten 10-jährigen Grünen Bundesanleihe und der ersten Grünen Bundesobligation konnte 2020 ein Gesamtvolumen von 11,5 Mrd. Euro platziert werden. In ähnlicher Höhe sollen 2021 zwei weitere Grüne Bundeswertpapiere emittiert werden. Die erste 30-jährige Grüne Bundesanleihe wurde im Mai 2021 im Syndikat mit einem Volumen von 6 Mrd. € begeben. Neuemission und Aufstockung einer zweiten zehnjährigen Grünen Bundesanleihe über insgesamt 6,5 Mrd. € sind für September und Oktober 2021 geplant.

In die Emissionsbetrachtung fließen ausschließlich Auktionen und bereits durchgeführte Syndikate. Aufstockungen ausschließlich in den Eigenbestand wie im April 2020 oder von konventionellen Zwillingsanleihen im Rahmen der Emission Grüner Bundeswertpapiere sind nicht berücksichtigt.

Struktur der Emissionsvolumen der Bundeswertpapiere (%)

Chart zur Struktur der Auktionsvolumen der Bundeswertpapiere

Die Zusammensetzung des Emissionsvolumens der Jahre 2014 bis 2019 zeigt ein relativ stabiles Muster. Die Finanzierung der zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie initiierten staatlichen Hilfsmaßnahmen erforderte bereits im Jahresverlauf 2020 eine signifikante Ausweitung des Emissionsvolumens. Wie schon in der herausfordernden Finanzmarktsituation des Jahres 2009 wurde der kurzfristig entstandene Finanzierungbedarf in erster Linie durch eine deutliche Erhöhung der Geldmarktemissionen gedeckt. Im Vergleich zu 2019 verdoppelte sich 2020 der Bubill-Anteil am Emissionsvolumen aller Papiere zwar von rund 21 % auf 45 %. 2021 werden die jetzt ausschließlich nur noch mit 12 Monaten Laufzeit ausgestatteten Geldmarktpapiere mehr als die Hälfte des gesamten Auktionsvolumens aller Bundeswertpapiere ausmachen.

Da das Emissionsvolumen der Kapitalmarktpapiere in Relation zu den Geldmarktpapieren nur in geringerem Maß erhöht werden, fiel ihr Anteil am Emissionsvolumen 2020 entsprechend deutlich. Bei allen klassischen nominalverzinslichen Kapitalmarktpapieren außer den Bund30 kam es 2020 anteilig fast zu Halbierungen, die jedoch auch zugunsten der beiden neuen Laufzeitsegmente Bund7 (5 %) und Bund15 (6 %) sowie der neuen Grünen Bundeswertpapiere (Green; 3 %) gingen. 2021 wird sich diese neue Struktur nahezu vollständig fortsetzen. Der mit 2 % vermeintlich deutlich geringere Emissionsanteil 2021 bei Bund30 enthält das bisher noch unbestimmte Volumen des Syndikats im September noch nicht.