Primärmarkt

Der Bund deckt nahezu 100 Prozent seines Kreditbedarfs über Einmalemissionen im Primärmarkt. Dabei erfolgt die Emission grundsätzlich im Tender- bzw. Auktionsverfahren, an dem sich Finanzinstitute beteiligen können, die der Bietergruppe Bundesemissionen angehören.

Das vom Bund geplante Emissionsprogramm wird als Jahresvorausschau bereits zum Ende des Vorjahres für das folgende Kalenderjahr angekündigt. Dabei wird ein detaillierter Emissionskalender mit genauen Auktionsdaten veröffentlicht, um den Investoren größtmögliche Planungssicherheit zu ermöglichen.

Fast seinen gesamten Kreditbedarf deckt der Bund über im Auktionsverfahren begebene Einmalemissionen. Der genaue Emissionsplan für das gesamte Kalenderjahr wird im Voraus veröffentlicht.

Spezielle Finanzierungsinstrumente wie bspw. die erste 10-jährige sowie die erste 30-jährige inflationsindexierte Bundesanleihe 2006 und 2015 platzierte der Bund über ein Bankenkonsortium (Syndikat). Ebenso wurden 2020 die erste 15-jährige Bundesanleihe sowie die erste (zehnjährige) Grüne Bundesanleihe im Syndikat begeben.


Daneben nutzt der Bund auch bei großvolumigen Emissionen etablierter Benchmarkpapiere vereinzelt das Syndikat - so 2021 für die Neuemission einer 30-jährigen Bundesanleihe und die Neuemission der zweiten 10-jährigen Grünen Bundesanleihe.


In deutlich geringerem Umfang tragen die sporadisch individuell mit Finanzinstituten abgeschlossenen Schuldscheindarlehen sowie die im Nachgang einer Auktion im Rahmen der Sekundärmarktaktivitäten abgesetzten Bestände an Bundeswertpapieren zur Finanzierung des Bundes bei.

 

Emissionsvolumen (Mrd. €) von Bundeswertpapieren

Chart zum jährlichen Auktionsvolumen der Bundeswertpapiere

Die Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubills) mit 12 Monaten Laufzeit sind seit 2020 das erste Bundeswertpapier, in dem ein dreistelliges Milliardenvolumen begeben wurde. Dieses Volumen wurde 2021 noch einmal bis fast auf eine Viertelbillion € ausgebaut. Für 2022 ist ein um 30 Mrd. € geringeres Emissionsvolumen in Höhe von 208 Mrd. € geplant.

Bei den konventionellen Kapitalmarktpapieren werden 2022 im Vergleich zum Vorjahr Bundesschatzanweisungen (Schatz) und 10-jährige Bundesanleihen (Bund10J) in höherem Volumen begeben. Reduziert wurde das Emissionsvolumen der Bundesobligationen (Bobl 5J) sowie noch deutlicher der 15-jährigen Bundesanleihen (Bund 15 J). Nach zweijähriger Begebung werden 2022 keine neuen 7-jährigen Bundesanleihen mehr emittiert. Das scheinbar niedrigere Emissionsvolumen der 30-jährigen Bundesanleihen zeigt das geplante Emissionsvolumen im Auktionsverfahren. Die beiden geplanten Syndikate in diesem Segment sind hier noch nicht enthalten.

Seit 2020 begibt der Bund auch Grüne Bundeswertpapiere: In Summe wurden durch die Begebung der ersten 10-jährigen Grünen Bundesanleihe sowie der ersten Grünen Bundesobligation 11,5 Mrd. € platziert, 2021 folgten die erste 30-jährige Grüne Bundesanleihe sowie die zweite zehnjährige Grüne Bundesanleihe zzgl. ihrer ersten Aufstockung im Gesamtvolumen von 12,5 Mrd. €. Für 2022 ist ein ähnlich hohes Emissionsvolumen geplant, in der Grafik sind vorerst nur die bereits fixierten 4,5 Mrd. € der Aufstockungen im Auktionsverfahren vermerkt.

Darüber hinaus sind für 2022 sind insgesamt 4 Syndikate geplant:
•    Q1: die Aufstockung der 30-jährigen Bundesanleihe 2021 (2052)
•    Q2: die Aufstockung der 30-jährigen Grünen Bundesanleihe 2021 (2050)
•    Q3: die Neuemission der zweiten Grünen Bundesobligation
•    Q4: die Neuemission einer 30-jährigen Bundesanleihe

In die Emissionsbetrachtung fließen ausschließlich Auktionen und bereits durchgeführte Syndikate. Aufstockungen ausschließlich in den Eigenbestand wie im April 2020 oder von konventionellen Zwillingsanleihen im Rahmen der Emission Grüner Bundeswertpapiere sind nicht berücksichtigt.

Struktur der Emissionsvolumen der Bundeswertpapiere (%)

Chart zur Struktur der Auktionsvolumen der Bundeswertpapiere

Die Zusammensetzung des Emissionsvolumens der Jahre 2014 bis 2019 zeigt ein relativ stabiles Muster. Die Finanzierung der zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie initiierten staatlichen Hilfsmaßnahmen erforderte bereits im Jahresverlauf 2020 eine signifikante Ausweitung des Emissionsvolumens. Der kurzfristig entstandene Finanzierungbedarf wurde im Wesentlichen durch eine deutliche Erhöhung der Geldmarktemissionen gedeckt. Im Vergleich zu 2019 verdoppelte sich 2020 der Bubill-Anteil am Emissionsvolumen aller Papiere von rund 21 % auf 45 %. Seit 2021 teilt sich das gesamte Emissionsvolumen hälftig in Geldmarkt- und Kapitalmarktpapiere auf.