Portfoliomanagement

Zusammenfassend lässt sich das Schuldenportfoliomangement des Bundes wie folgt darstellen: 

  • Erreichung eines Zielportfolios bis 2014 entsprechend der Kosten- und Risikopräferenzen des Emittenten
  • Struktur des jährlichen Emissionskalenders und Anwendung von Zinsswaps
  • Erfolgsmessung auf Basis von Total-Return-Kosten
  • Verbesserte Diversifikation des Portfolios

Die Bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH ist als Dienstleister des Emittenten Bund nicht nur mit der Begebung von Bundeswertpapieren zur Finanzierung des Bundeshaushalts beauftragt. Auch die  Steuerung des Schuldenportfolios und kurzfristiger Liquiditätsschwankungen gehören zu den Kernaufgaben. Die Portfoliosteuerung erfolgt ausgehend vom jährlichen Emissionskalender, über die  Geldmarktaktivitäten und den Einsatz von Derivaten.

Der Bund deckt seinen Finanzierungsbedarf am Geld- und Kapitalmarkt und muss entscheiden, welche Finanzinstrumente in welchem Umfang er dafür einsetzt. Der Einsatz und die Zusammensetzung der Anleihe-Emissionen und der übrigen Finanzinstrumente er­folgt mit dem Ziel, nachhaltig Zinskosten einzusparen und dabei die Risiken, die mit jeder Art der Finanzierung verbunden sind und nicht gänzlich ausgeschlossen werden kön­nen, zu begrenzen. Zur Entscheidung über Finanzierungsalternativen können ver­schiedene Ansätze gewählt werden, die sich gegenseitig ergänzen.

Von der Emissionsstrategie zum Portfolioansatz

Wesentliche Grundlage einer gesicherten Finanzierung ist ein funk­tionierender Absatzkanal in Form eines liquiden Marktes umlaufender Bundeswert­papiere. Die Existenz eines liquiden Marktes, in dem zu jedem Zeitpunkt von vielen Teilnehmern Kauf- und Verkaufspreise für hohe Volumina gestellt werden, bedeutet sowohl für Investoren als auch für Emittenten einen erheblichen Vorteil. Der Investor kann zu jedem Zeitpunkt Anlageentscheidungen entsprechend seiner Risikoneigung und Markteinschätzung treffen. Der Emittent trifft zu jedem Zeitpunkt auf Nachfragebe­dingungen, die faire Preise erwarten lassen. Es können hohe Volumina im Primär­markt emittiert werden, wobei der Sekundärmarkt verlässliche Orientierungen für In­vestoren und Emittenten liefert.

Die Entwicklung eines liquiden Marktes ist bereits in der Vergangenheit sehr professionell betrieben worden. Innerhalb von Europa sind Bundeswertpapiere die Benchmark. Dazu trägt eine einfache und klare Emissionsstruktur bei, die ein regelmäßiges Angebot an Investoren in Papieren aller Laufzeitenbereichen vom 3-Monats-Bubill bis hin zu den stripbaren 10- und 30-jährigen Anleihen darstellt, die Pflege des Sekundärmarktes durch die Marktpflegeaktivitäten, eine transparente und verlässliche Emissionspolitik mit vierteljährlichen Emissions­kalendern und der Emissionsvorausschau für das gesamte Kalenderjahr sowie ein transparentes und faires Emissionsverfahren am Primärmarkt mit der Bieter­gruppe Bundesemissionen und einem automatischen Bietungssystem. Zur Marktliquidität tragen die von der Terminbörse Eurex eingeführten Termin-Kontrakte bei, bei denen fiktive Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen von den Marktteilnehmern gehandelt werden können.

Solange nur der Markt für Bundeswertpapiere zur Verfügung steht, stellt die Verkaufs- und Informationsstrategie den wichtigsten Optimierungsansatz dar. Durch die Fokussierung auf die jährlichen Emissionen entsteht jedoch im Laufe der Zeit ein Schuldenportfolio, welches in seiner Wirkung nicht unbedingt den Kosten- und Risikopräferenzen des Emittenten entspricht. Eine Ausrichtung der jährlichen Begebungen nicht an der Nachfrage, sondern an den Notwendigkeiten zur Erreichung eines angestrebten Schuldenportfolios könnte dagegen dem Benchmark-Status nachhaltig schaden. Der im Haushaltsgesetz  geschaffene Zugang zum Swap-Markt ermöglicht dagegen die gleichzeitige Optimierung des Schuldenportfolios und die Fortführung der bewährten Emissionspolitik. Das entstehende Schuldenportfolio kann durch Swaptransaktionen in seiner Zinsbindungsstruktur entsprechend den Vorstellungen eines optimalen Schuldenportfolios verändert werden. Damit gelangt man von einer Emissionssicht zur Portfoliosicht. Notwendige Voraussetzung hierfür ist ein Swap-Markt, der eine ähnliche oder noch höhere Liquidität als der Markt für Bundeswertpapiere aufweist.

Mathematische Optimierungen eines Portfolios beruhen auf einer Reihe von im Vorfeld unbekannten Annahmen wie die Kosten oder Schwankungsmöglichkeiten über den Betrachtungshorizont. Die Frage nach dem optimalen Schuldenportfolio lässt sich daher nur im Nachhinein und nicht im Vorfeld einer Entscheidung beantworten. Da konkret erzielte Einsparungen nützlicher sind als der Versuch, ein theoretisches Portfolio umzusetzen, versucht man in der Praxis, das gegebene Portfolio durch Strukturierungsmaßnahmen „nur“ zu verbessern, statt es zu optimieren.

Portfoliostrukturierungsmaßnahmen sollten auf  Informationen beruhen, die als verlässlich eingeschätzt werden.  Der klassische Markowitz-Ansatz basiert auf historischen Datenanalysen. Dabei muss überlegt werden, inwieweit historische Muster für die Zukunft relevant sein könnten. Im Asset-Management bedient man sich u. a. der Analyse des makroökonomischen Datenkranzes für eine Meinungsbildung über die zukünftige Entwicklung der Märkte. Handelshäuser nutzen darüber hinaus auch Flow- und technische Informationen. Nützlich sind Informationen nur dann, wenn sie nicht bereits vollständig in den gehandelten Preisen enthalten sind. Eine Information kann also nur dann für eine Portfoliostrukturierungsmaßnahme herangezogen werden, wenn sich die daraus abgeleitete Markterwartung von der in der  Forwardzinskurve bereits eingepreisten Information unterscheidet.

Informationen und die daraus abgeleiteten Markterwartungen haben nur für eine typische Zeitskala Relevanz. Historische Analysen können eventuell Aussagen über langfristige Mittelwerte herausfiltern. Vom makroökonomischen Datenkranz erhofft man, eine Aussage über die mittelfristige Entwicklung des Marktes zu erhalten. Flow- und technische Informationen können Hinweise auf kurzfristige Tendenzen geben. Für die Strukturierung eines Schuldenportfolios kann man sich nicht auf eine bestimmte Zeitskala einschränken, tatsächlich muss eine Strukturierung auf allen Zeitskalen erfolgen.

Neben der Optimierung nach Kosten und Risikokennzahlen des Schuldenportfolios mit den bestehenden Finanzierungsinstrumenten muss das Instrumentarium selbst einer permanenten Prüfung unterzogen werden. Nachfrageveränderungen oder die Entstehung neuer Marksegmente müssen zu einer Anpassung des Angebots führen. Ergänzend zur Steuerung der Zinsbindungsfristen kann so der Emittent neue Märkte erschließen, die langfristig eine kostengünstige Finanzierung erlauben und deren Finanzierungsinstrumente die Diversifikation des Gesamtportfolios erhöhen.