Portfoliomanagement

Primäres Ziel des Schuldenmanagements ist es, die Zinskosten über mehrere Jahre und Marktphasen hinweg möglichst gering zu halten und gleichzeitig die aus der Portfoliostruktur resultierenden Zinsänderungsrisiken zu begrenzen.

Vom Optimalen Schuldenportfolio…

Bei der Erreichung eines optimalen Portfolios muss die Zinskostenersparnis durch eine möglichst kurzfristige Verschuldung gegen die Finanzierungssicherheit aus einer möglichst langfristigen Verschuldung abgewogen werden. Dies erfordert eine ausgeglichene Laufzeitenstruktur des Schuldenportfolios.

Aus Sicht des Schuldners liegt es unter dem Aspekt der Zinskostenersparnis nahe, sich aufgrund der gewöhnlich vergleichsweise geringen Zinssätze im kurzen Laufzeitbereich mit möglichst kurzer Zinsbindung (= Ausgabe von Anleihen mit geringen Laufzeiten) zu finanzieren. Diese Strategie birgt für den Emittenten jedoch das beachtliche Risiko innerhalb kurzer Zeit stark steigender Zinsen und damit steigender Zinsbelastung. Die alten Anleihen werden nach wenigen Monaten fällig und neue müssen mit immer höheren Zinssätzen begeben werden. Umgekehrt beinhaltet die kurze Zinsbindung aber auch die Chance, bei gleich bleibenden oder sogar rückläufigen Zinsen die Finanzierungkosten zu senken.

Höhere Planungssicherheit gewährleisten aus Sicht des Schuldners demgegenüber lange Zinsbindungen mit über Jahre oder Jahrzehnte relativ präzise  kalkulierbaren Zinskosten. Die lange Zinsbindung geht jedoch bei einer ‚normalen‘ Zinsstruktur mit langen Laufzeiten der Anleihen und damit von vornherein höheren Zinssätzen und -kosten einher.

Tagesaktuelle Restlaufzeit der handelbaren Bundeswertpapiere

Mit Blick auf eine ausgewogene Zinskosten- und Risikostruktur im Schuldenportfolio ist es angesichts einer künftig nicht sicher vorhersehbaren Zinsentwicklung daher sinnvoll, die Zinsbindung der Bundesschuld möglichst gleichmäßig über kurze, mittlere und lange Laufzeiten zu verteilen. So geht der Bund keine überdurchschnittlichen Risiken ein und erreicht im Durchschnitt eine Zinskostenbelastung, die zwischen den niedrigen Zinsen am kurzen Ende und den relativ hohen am langen Ende liegt.

Der Bund hat im Rahmen seiner Schuldenpolitik daher ein großes Interesse daran, fortlaufend Wertpapiere auszugeben, deren Laufzeiten sich über das gesamte Spektrum von unter 12 Monaten bis hin zu über 10 Jahren erstrecken.

...mit Blick auf Investorenbedürfnisse...

Ein derart breit gestreutes Angebot trifft am Markt jedoch auf eine vergleichsweise konzentrierte Nachfrage: Die potenziellen Käufergruppen bevorzugen im Regelfall bestimmte Laufzeitsegmente und sind im Einzelnen aufgrund ihrer spezifischen Anlageziele nicht an einem breit über alle Laufzeiten diversifizierten Portfolio aus Bundeswertpapieren interessiert. Pensionsfonds und Versicherungen verlangen beispielsweise eher sehr lange Laufzeiten, Geldmarktfonds oder Zentralbanken bevorzugen dagegen sehr kurze Laufzeiten. Viele Rentenfonds wiederum präferieren den mittleren Bereich.

Da sich die kumulierte Nachfrage der potenziellen Käufergruppen nicht exakt gleichmäßig über alle Laufzeitsegmente verteilt,  entstehen Abweichungen zwischen der gewünschten Angebotsstruktur des Bundes und der potenziellen Nachfragekonstellation. Zudem  beeinflussen die jeweilige Marktsituation (aktuelle Rendite plus Renditeerwartungen) und die Referenzlaufzeit der am Markt vorhandenen Hedging-Instrumente (wie bspw. Bund -Future) die Nachfragesituation maßgeblich.

…zum jährlichen Emissionskalender

Die Ausrichtung des Emissionsprogramms an den Bedürfnissen der Investoren bedingt den Einsatz von Swap-Geschäften, mit denen die für den Bund optimale Laufzeitenstruktur erreicht wird. Für Swap-Geschäfte gilt ein gesetzliches Limit.

Bei der Aufstellung des jährlichen Emissionskalenders sind daher mehrere sehr verschiedenartige Aspekte zu berücksichtigen. Am Ende ergibt sich – durch die notwendige Orientierung an den Bedürfnissen der Nachfrager – ein Emissionskalender, der das bestehende Schuldenportfolio mit Blick auf die Zinskosten- und Risikoziele des Bundes im Regelfall nicht optimal ergänzt.
Aus diesem Grund gewährte der Gesetzgeber der Finanzagentur den Zugang zum Swap-Markt. Die nachfrageorientierte Emissionsstruktur kann seither durch Swap-Transaktionen in eine für den Bund unter Zinskosten- und Risiko-Aspekten angemessenere Laufzeitenstruktur gewandelt werden. Bei diesem Prozess wird das Zinsrisikoprofil des bestehenden Schuldenportfolios in einem ersten Arbeitsschritt als Ganzes analysiert, mit der aus Sicht des Bundes optimalen Zinskosten- und Risiko-Struktur abgeglichen und schließlich werden die Abweichungen zwischen Ziel- und Ist-Struktur durch Swapgeschäfte so weit wie möglich eliminiert.

Zum Ende des Jahres 2016 belief sich das vom Bund abgeschlossene Bruttovolumen (= ohne Anrechnung von Netting-Effekten) der Swap-Verträge auf insgesamt 263,9 Mrd. Euro. Im Jahrersverlauf verringerte sich der Bestand der Swap-Geschäfte um das Bruttovolumen von 51,4 Mrd. Euro. Erfasst wurden sämtliche Payer- und Receiver-Positionen (einen fixen Zinssatz zahlende bzw. empfangende Geschäfte) für Geld- und Kapitalmarkt-Swaps.

Die Zinsbindungsfristen des Bundes

Zinsbindungsfristen (in Jahren)

Berichtsperiode2010201120122013201420152016
Mittlere Zinsbindungsfrist
mit Zinsswaps
6,046,106,496,516,536,676,79
Mittlere Zinsbindungsfrist
ohne Zinsswaps
6,246,346,516,546,596,716,80

Steuerung der Zinsbindungsfristen des Bundes und seiner Sondervermögen durch Zinsswapgeschäfte

Gesetzliche Grenzen

Zur Begrenzung von Kontrahenten- und Marktpreisrisiken, die dem Bund aus Swap-Verträgen entstehen, wird jedes Jahr im Haushaltsgesetz für diese Geschäfte ein Maximalvolumen festgeschrieben. Derzeit gilt: Swap-Neuabschlüsse innerhalb eines Kalenderjahres dürfen maximal zu einer Erhöhung des gesamten Swap-Bestandes um 80 Mrd. Euro führen.

Weitere Komponenten des Schuldenmanagements

Die Entwicklung und Emission neuer Finanzierungsinstrumente dient der weiteren Diversifizierung.

Zu den Aufgaben des Schuldenmanagements und damit der Finanzagentur gehört außerdem die Entwicklung neuer Finanzierungsinstrumente für den Einsatz am Geld- und Kapitalmarkt. Primäre Ziele dabei sind die Hebung zusätzlicher Zinskosteneinsparpotenziale, eine bessere Diversifikation und die Schaffung noch effizienterer Wege zur Kreditaufnahme. Als wesentliche Kapitalmarktinnovationen wurden in den vergangenen Jahren inflationsindexierte Obligationen und Anleihen des Bundes sowie US-Dollar-Bonds begeben. Im Gegensatz zu Fremdwährungsanleihen, bei denen der Bund aufgrund der sehr selten am Markt vorhandenen Zinsvorteile einen eher opportunistischen Emissionsansatz verfolgt, wurden die inflationsindexierten Bundeswertpapiere inzwischen zu einem festen Teil der strategischen Emissionsplanung.