Sekundärmarktstruktur

Regelmäßige Sekundärmarktdatenerhebungen bei den meldenden Mitgliedern der Bietergruppe gewähren der Finanzagentur sowie den beteiligten Bieterbanken einen indikativen Einblick in den Markt für Bundeswertpapiere.

Die von den Bieterbanken gemeldeten Umsätze in Bundeswertpapieren liefern einen Einblick in die Struktur des Sekundärmarkts der Bundeswertpapiere.

Im Rahmen dieser Erfassung meldet ein repräsentativer Teil der Mitglieder der Bietergruppe auf freiwilliger Basis seine Handelsgeschäfte in Bundeswertpapieren (Bubills, Schätze, Bobls, Bunds und Inflationsindexierte) – kategorisiert nach gehandeltem Bundeswertpapier-Typ, nach Region und Institutionsform des Handelspartners. Anhand der Handelsvolumina und Nettopositionen lassen sich daraus grobe Strukturen des Sekundärmarktgeschäfts erkennen.

Bei der Ermittlung des (Brutto-)Handelsvolumens werden Kauf- und Verkaufsvolumina der Bieterbanken addiert. Die Nettohandelsvolumina ergeben sich als Saldo aus ihren Verkäufen abzüglich ihrer Käufe.

So entspricht bspw. eine Nettoposition von -22 Mrd. € ggü. Brokern einer um 22 Mrd. € höheren Summe von Käufen der Bieterbanken bei Brokern als Verkäufen an Broker. Die hier veröffentlichten Handelsdaten sind vorläufig, da verspätete Nachmeldungen zu Korrekturen führen können.

Handelsvolumina im Halbjahresvergleich 1/2019 vs. 1/2020

Mrd. € 1/2019 1/2020
(Brutto-)Handelsvolumen 2.250 2.306
Netto-Handelsvolumen 51,0 104,6

Im ersten Halbjahr 2020 wurden von den Banken der „Bietergruppe Bundesemissionen“ Handelsumsätze von insgesamt 2.306 Mrd. € gemeldet. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 ist das ein Zuwachs von 2 %. Dennoch handelt es sich um die drittniedrigsten Umsätze eines ersten Halbjahrs seit Statistikbeginn 2005.

Das Nettohandelsvolumen verdoppelte sich im ersten Halbjahr 2020 auf rund 105 Mrd. Euro - verglichen mit 51 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2019. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 beträgt das Plus 36 Mrd. Euro. Das Niveau dieser Nettoabsätze wird in erster Linie von der Höhe der Emissionsvolumina der Bundeswertpapiere im jeweiligen Zeitraum beeinflusst.

Finanzierungsinstrumente 1. Halbjahr 2020

Handelsvolumen - Instrumente

Aufgeschlüsselt nach Wertpapierarten ergab sich im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 die deutlichste prozentuale Zunahme im Handel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill). Hier verdreifachte sich der Handel auf ein Volumen von 181 Mrd. €, das zuletzt 2011 erreicht wurde. Gleichzeitig erhöhten sich auch die Umsätze in den Papieren mit den längsten (dreißigjährigen) Laufzeiten (Bund30) um mehr als 50 % bzw. 90 Mrd. € auf ein Niveau, das zuletzt 2007 erreicht wurde. Für beide Papiere erhöht sich dieses Jahr auch das Emissionsvolumen in jeweils ähnlichen Relationen. Der Handel mit den übrigen Bundeswertpapieren nahm dagegen leicht ab.

Am deutlichsten gingen die Umsätze bei den 10-jährigen Bundesanleihen (Bund10) um 10 % zurück. Sie werden seit jeher von allen Bundeswertpapieren mit Abstand am intensivsten gehandelt und dominieren auch dieses Halbjahr mit einem Handelsvolumen von 1.156 Mrd. €. Umsatzeinbußen von 6 % im Vergleich der ersten Halbjahre verzeichnen die Bundesobliagtionen (Bobl), inflationsindexierte Bundeswertpapiere (ILB) wurden 5 % weniger gehandelt. Die Umsätze in Bundesschatzanweisungen (Schatz) gingen 2 % zurück.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2019 1/2020
Bobl 417 393
Bubill 58 181
Bund10 1.281 1.156
Bund30 169 260
ILB 67 64
Schatz 258 252

Netto-Handelsvolumen - Instrumente

Im Vergleich der Nettoumsätze der ersten Halbjahre 2019/2020 führen ebenfalls die Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill) die Gewinnerliste an. Hier kam es zu mehr als einer Vervierfachung der Nettokäufe durch Investoren auf ein Niveau, das seit Statistikbeginn nur 2009 übertroffen wurde. Bei den 10-jährigen Bundesanleihen (Bund10) verdoppelte sich der Nettoabsatz. Um knapp 30 % erhöhten sich die Nettokäufe bei den Bundesschatzanweisungen (Schatz). Von den inflationsindexierten Bundeswertpapieren (ILB) und 30-jährigen Bundesanleihen (Bund30) wurden per Saldo auf niedrigem Niveau jeweils knapp über 20 % mehr gekauft.

Den mit rund 20 % einzigen Rückgang der Nettokäufe hatten Bundesobligationen (Bobl) zu verzeichnen.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2019 1/2020
Bobl 13,3 10,4
Bubill 12,4 51,9
Bund10 9,0 21,6
Bund30 6,2 7,6
ILB 2,0 2,5
Schatz 8,2 10,6

Regionen 1. Halbjahr 2020

Handelsvolumen - Regionen

Regional erhöhten sich die Bundeswertpapier-Umsätze im ersten Halbjahr 2020 mit Kontrahenten aus Afrika auf sehr geringem Niveau um das Zweieinhalbfache. Mit dem Euroraum, der zweitwichtigsten Handelsregion, wurden 13 % mehr Bundeswertpapiere gehandelt. Asiatische Kontrahenten, setzten 5 % mehr um.

Kontrahenten aus arabischen Staaten handelten ggü. dem ersten Halbjahr 2019 auf geringem Niveau 16 % weniger. Die Veränderungen in den anderen Regionen fielen marginal aus. So gingen die Umsätze Handelspartnern aus Amerika, die seit 2013 durchweg stärker als die asiatischen in Bundeswertpapieren aktiv sind, um 3 % zurück. Mit Kontrahenten in der traditionell mit Abstand bedeutendsten Handelsregion, dem übrigen Europa (Europa ohne Euroraum), wurde 1 % weniger gehandelt.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2019 1/2020
Afrika 1 2
Amerika 320 310
Arabische Staaten 7 6
Asien 146 153
Euroraum 562 635
übriges Europa 1.214 1.200

Netto-Handelsvolumen - Regionen

Relativ deutlich zeigt sich auch im ersten Halbjahr 2020 wieder die Dominanz der Nettokäufer im übrigen Europa, das zudem mit 29 Mrd. € die zweithöchsten Zuwächse auf 67 Mrd. € verzeichnen kann, den höchsten Wert seit 2015. Seit 2014 haben sich die Kontrahenten im Euroraum als zweitwichtigste Nettokäufer etabliert. Ein Großteil der Nachfrage dürfte seither von den Staatsanleihekäufen der EZB stammen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019, in dem Kontrahenten aus dem Euroraum mit -14 Mrd. € erstmals seit 2012 als Nettoverkäufer auftraten, erwarben sie nun rund 37 Mrd. € und erzielten so die höchsten Zuwächse unter allen Regionen. Die dritthöchsten Nettokäufe in Höhe von 11 Mrd. € wurden im ersten Halbjahr 2020 von Kontrahenten aus Amerika getätigt. Verglichen mit ihrem seit Statistikbeginn stärksten Halbjahr 2019 bedeutet das jedoch einen Rückgang von 19 Mrd. €, die deutlichste Abnahme unter allen Regionen.

Nettoverkäufe in Höhe von 11 Mrd. € tätigten dagegen Kontrahenten aus Asien, nachdem bereits im ersten Halbjahr 2019 per Saldo schon 1 Mrd. € an Bundeswertpapieren verkauft wurde. Die Nettoumsätze aus arabischen Staaten und Afrika schwanken schon seit vielen Jahren um +/- 1 Mrd. €.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2019 1/2020
Afrika 0,0 1,4
Amerika 30,7 11,4
Arabische Staaten -1,9 -1,2
Asien -1,1 -10,9
Euroraum -14,0 37,3
übriges Europa 37,3 66,6

Institutionen 1. Halbjahr 2020

Handelsvolumen - Institutionen

Bei der Analyse nach handelnder Institution sind die Broker tonangebend. Neben echten Wertpapierhandelshäusern zählen darunter vor allem elektronische Handelsplattformen, über die der tatsächliche Handelspartner nicht identifiziert werden kann. Zusammen mit den ebenfalls gewichtigen Asset-Managern und Banken sorgen Broker seit Jahren für rund 80 % des Handels mit Bundeswertpapieren. Viertwichtigster Kontrahent sind die Zentralbanken, die jedoch 2015 bis 2019 verstärkt Umsatzanteile an Hedgefonds abgaben.

Im ersten Halbjahr 2020 war die höchste Zunahme beim Handel mit Pensionsfonds zu verzeichnen - um mehr als 50 % auf das höchste Volumen seit 2013, jedoch auch hier wieder auf vergleichsweise geringem Niveau. Versicherungen und die wesentlich umsatzstärkeren Zentralbanken handelten gut ein Drittel mehr als noch im gleichen Halbjahr 2019. Sonstige Investoren, zu denen private Anleger ebenso zählen wie nichtfinanzielle Unternehmen, sowie Hedgefonds konnten beim Handelsvolumen knapp über 10 % zulegen, Asset Manager knapp darunter.

Rund 10 % weniger Umsätze in Bundeswertpapieren tätigten dagegen Banken - den drittniedrigsten Halbjahresumsatz seit Statistikbeginn - und Broker.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2019 1/2020
Asset Manager 614 668
Banken 485 436
Broker 696 632
Hedgefonds 177 200
Pensionsfonds 26 40
Sonstige 23 26
Versicherungen 17 22
Zentralbanken 213 283

Netto-Handelsvolumen - Institutionen

Die bereits aus der Bruttohandelsanalyse bekannte Dominanz der Asset Manager, Banken und Zentralbanken existierte bis zum Beginn des EZB-Kaufprogramms über den Großteil des Betrachtungszeitraums auch beim Nettoabsatz. Im 2. Halbjahr 2015 fielen zuerst die Asset Manager per saldo komplett als Käufer aus, bevor sie im 1. Halbjahr 2018 auf früherem Niveau kaufend zurückkehrten, während zeitgleich die Banken zu Nettoverkäufern wurden. 2018 kamen die Hedgefonds als bedeutende Nettokäufer hinzu. Sie erwerben seither durchweg mehr Bundeswertpapiere als die Banken – in den ersten Halbjahren sogar mehr als die Asset Manager. Im 1. Halbjahr 2019 lagen sie gemeinsam mit Asset-Managern (unverändert zum 1. Halbjahr 2018) und Zentralbanken (+ 84 %) bei jeweils rund 20 Mrd. € Nettokäufen nahezu gleichauf, jedoch 42 % unter ihrem Rekordhalbjahr 1/2018.

Während vom 20 Mrd. € Niveau der Nettokäufe des ersten Halbjahres 2019 Asset Manager und Hedgefonds bis Mitte 2020 auf 24 (höchster Wert seit 2015) bzw. 27 Mrd. € (zweithöchster Wert der Statistik) zulegten, vervielfachten sich die Käufe der Zentralbanken um 50 Mrd. € auf rund 71 Mrd. €. Banken übertrafen durch ein Plus von 15 Mrd. auf 16 Mrd. € erstmals seit 2016 wieder die Marke von 15 Mrd. € bei Nettokäufen.

Versicherungen verkauften über die letzten drei Halbjahre im Umfang von weniger als 1 Mrd. € Bundeswertpapiere per Saldo. Parallel bauten Pensionsfonds im Volumen von 1 bis 4 Mrd. € Bestände auf.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2019 1/2020
Asset Manager 20,1 23,6
Banken 0,9 15,8
Broker -12,2 -37,8
Hedgefonds 20,8 27,0
Pensionsfonds 0,6 3,3
Sonstige 0,0 2,1
Versicherungen -0,2 -0,1
Zentralbanken 21,1 70,7