Sekundärmarktstruktur

Regelmäßige Sekundärmarktdatenerhebungen bei den Mitgliedern der Bietergruppe gewähren der Finanzagentur sowie den beteiligten Bieterbanken einen indikativen Einblick in den Markt für Bundeswertpapiere.

Die von den Bieterbanken gemeldeten Umsätze in Bundeswertpapieren liefern einen Einblick in die Struktur des Sekundärmarkts der Bundeswertpapiere.

Im Rahmen dieser Erfassung meldet ein repräsentativer Teil der Mitglieder der Bietergruppe auf freiwilliger Basis seine Handelsgeschäfte in Bundeswertpapieren (Bubills, Schätze, Bobls, Bunds und Inflationsindexierte) – kategorisiert nach gehandeltem Bundeswertpapier-Typ, nach Region und Institutionsform des Handelspartners. Anhand der Handelsvolumina und Nettopositionen lassen sich daraus grobe Strukturen des Sekundärmarktgeschäfts erkennen.

Bei der Ermittlung des (Brutto-)Handelsvolumens werden Kauf- und Verkaufsvolumina der Bieterbanken addiert. Die Nettohandelsvolumina ergeben sich als Saldo aus ihren Verkäufen abzüglich ihrer Käufe.

Nettopositionen beschreiben dabei die nach Saldo aus Verkäufen und Käufen eingenommene Position der berichtenden Bieterbanken innerhalb einer Kategorie. So entspricht bspw. eine Nettoposition von -22 Mrd. € ggü. Brokern einer um 22 Mrd. € höheren Summe von Käufen der Bieterbanken bei Brokern als Verkäufen an Broker. Die hier veröffentlichten Handelsdaten sind vorläufig, da verspätete Nachmeldungen zu Korrekturen führen können.

Handelsvolumina im Halbjahresvergleich 1/2018 vs. 1/2019

Mrd. € 1/2018 1/2019
(Brutto-)Handelsvolumen 2.624 2.256
Netto-Handelsvolumen 55,3 51,0

Mit Handelsumsätzen von insgesamt 2.256 Mrd. € im 1. Halbjahr 2019 konnte der leicht positive Stabilisierungstrend der vergangenen beiden Jahre nicht fortgeschrieben werden Die Umsätze lagen zwar um 9 % über denen des 2. Halbjahrs 2018, jedoch um 14 % niedriger als im traditionell ebenfalls handelsstärkeren 1. Halbjahr 2018.

Beim Nettohandel ergab sich im ersten Halbjahr 2019 ein Volumen von 51 Mrd. Euro. Es liegt damit gut 3 Mrd. Euro niedriger als das zweite Halbjahr 2018 und rund 4 Mrd. Euro unter dem ersten Halbjahr 2018. Das Niveau dieser Nettoabsätze wird unter anderem von der Höhe der Emissionsvolumina der Bundeswertpapiere im jeweiligen Zeitraum beeinflusst.

Finanzierungsinstrumente 1. Halbjahr 2019

Handelsvolumen - Instrumente

Aufgeschlüsselt nach Wertpapierarten ergab sich gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 die deutlichste prozentuale Zunahme im Handel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen: um 56 % beziehungsweise rund 21 Mrd. €. Seit im 1. Halbjahr 2017 die bisher geringsten Umsätze mit Unverzinslichen Schatzanweisungen gemessen wurden, haben sich das Emissions- und mit ihm das Handelsvolumen bis heute nahezu verdoppelt.

Rückläufige Umsätze waren dagegen bei allen übrigen Bundeswertpapieren zu verzeichnen – am deutlichsten bei den 30-jährigen Bundesanleihen. Hier wurden im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 knapp ein Drittel bzw. rund 80 Mrd. € weniger gehandelt. 10-jährige Bundesanleihen werden seit jeher von allen Bundeswertpapieren mit Abstand am intensivsten gehandelt. Umsatzeinbußen von 15 % bzw. 221 Mrd. € im Vergleich der ersten Halbjahre konnten ihre Dominanz nur marginal schmälern. Der Handel mit Bundesobliagtionen (Bobl) ging lediglich um 2 % zurück, inflationsindexierte Bundeswertpapiere (ILB) sowie Bundesschatzanweisungen (Schatz) wurden jeweils knapp 20 % weniger gehandelt.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2018 1/2019
Bobl 425 417
Bubill 37 58
Bund10 1.506 1.286
Bund30 251 170
ILB 82 67
Schatz 324 258

Netto-Handelsvolumen - Instrumente

Im Vergleich der ersten Halbjahre 2018/2019 ergaben sich fast 50 % höhere Nettokäufe bei den Bundesobligationen (Bobl), von den Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill) wurden per Saldo rund 16 % mehr gekauft.

Den mit 57 % stärksten Rückgang der Nettokäufe hatten inflationsindexierte Bundeswertpapiere (ILB) zu verzeichnen. Um knapp 38 % fielen die Nettokäufe der Bundesschatzanweisungen (Schatz) und um rund 22 % jene der 10-jährigen Bundesanleihen (Bund10). In nahezu unverändertem Umfang wurden 30-jährige Bundesanleihen (Bund30) gekauft.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2018 1/2019
Bobl 9,0 13,3
Bubill 10,7 12,4
Bund10 11,5 9,0
Bund30 6,3 6,2
ILB 4,6 2,0
Schatz 13,2 8,2

Regionen 1. Halbjahr 2019

Handelsvolumen - Regionen

In der geografischen Verteilung der Umsätze mit Bundeswertpapieren dominieren traditionell Handelspartner aus dem übrigen Europa (Europa ohne Euroraum). Sie handelten im zurückliegenden Halbjahr 19 % beziehungsweise 282 Mrd. € weniger als im 1. Halbjahr 2018. Im Euroraum summierten sich die Umsätze in den vergangenen Jahren durchschnittlich auf die Hälfte, in Asien und Amerika jeweils meist auf weniger als ein Viertel der Umsätze der Region „Übriges Europa“. Dabei übertreffen die Umsätze mit amerikanischen Kontrahentenseit dem Jahr 2013 stets die der asiatischen. Die Umsätze arabischer Staaten, die im 1. Halbjahr mit -59 % beziehungsweise -10 Mrd. € prozentual die höchsten Einbußen verzeichneten, und Umsätze mit Afrika, die sich um rund 0,5 Mrd. € verdoppelten, fallen dagegen aufgrund ihrer sehr geringen Höhe kaum ins Gewicht.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2018 1/2019
Afrika 0 1
Amerika 410 320
Arabische Staaten 17 7
Asien 157 146
Euroraum 544 568
übriges Europa 1.495 1.214

Netto-Handelsvolumen - Regionen

Per saldo auf Rekordniveau und mit dem höchsten Zuwachs von 157 % unter allen Regionen kauften Kontrahenten aus Amerika Bundeswertpapiere. Amerika ist damit wieder zweitwichtigste Absatzregion. 17 % mehr als noch vor Jahresfrist wurden in das übrige Europa abgesetzt.
Die asiatischen Nettokäufe schlugen dagegen mit -114 % erstmals seit dem 2. Halbjahr 2016 wieder in Nettoverkäufe um. Am deutlichsten reduzierte sich der Nettoabsatz jedoch im Euroraum selbst, wo es nach dem 2. Halbjahr 2012 erstmalig wieder zu deutlichen Nettoverkäufen kam (‑218 %).

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2018 1/2019
Afrika 0,0 0,0
Amerika 11,9 30,7
Arabische Staaten -8,3 -1,9
Asien 7,8 -1,1
Euroraum 11,8 -14,0
übriges Europa 32,0 37,3

Institutionen 1. Halbjahr 2019

Handelsvolumen - Institutionen

Bei der Analyse nach handelnder Institution sind die Broker tonangebend. Neben echten Wertpapierhandelshäusern zählen darunter vor allem elektronische Handelsplattformen, über die der tatsächliche Handelspartner nicht identifiziert werden kann. Zusammen mit den ebenfalls gewichtigen Asset-Managern und Banken sorgen Broker seit Jahren für rund 80 % des Handels mit Bundeswertpapieren. Viertwichtigster Kontrahent sind die Zentralbanken, die jedoch seit 2015 verstärkt Umsatzanteile an Hedgefonds abgeben. Nachdem der Handel mit Asset-Managern im 1. Halbjahr 2018 mit rund 750 Mrd. € noch ein historisches Hoch erreichte, nahm er im Vergleich dazu ein Jahr später um 18 % ab. Banken handelten im Halbjahresvergleich ebenso wie Hedgefonds 15 % weniger, Zentralbanken 14 % und Broker 10 % weniger. Wie schon bei den Regionen vollzogen sich die prozentual größten Veränderungen bei den Kontrahenten mit den geringsten Umsätzen. So gingen im Vergleich der 1. Halbjahre 2018/2019 die Umsätze mit Versicherern um 30 % beziehungsweise 7 Mrd. € zurück, während der Handel mit Pensionsfonds um 10 % beziehungsweise 2 Mrd. € zunahm.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2018 1/2019
Asset Manager 746 614
Banken 579 491
Broker 776 696
Hedgefonds 207 177
Pensionsfonds 23 26
Sonstige 21 23
Versicherungen 24 17
Zentralbanken 248 213

Netto-Handelsvolumen - Institutionen

Die bereits aus der Bruttohandelsanalyse bekannte Dominanz der Asset Manager, Banken und Zentralbanken existierte bis zum Beginn des EZB-Kaufprogramms über den Großteil des Betrachtungszeitraums auch beim Nettoabsatz. Im 2. Halbjahr 2015 fielen zuerst die Asset Manager per saldo komplett als Käufer aus, bevor sie im 1. Halbjahr 2018 auf früherem Niveau kaufend zurückkehrten, während zeitgleich die Banken zu Nettoverkäufern wurden. 2018 kamen die Hedgefonds als bedeutende Nettokäufer hinzu. Im 1. Halbjahr 2019 lagen sie gemeinsam mit Asset-Managern (unverändert zum 1. Halbjahr 2018) und Zentralbanken (+ 84 %) bei jeweils rund 20 Mrd. € Nettokäufen nahezu gleichauf, jedoch 42 % unter ihrem Rekordhalbjahr 1/2018. Die deutlich höheren Nettokäufe der Hedgefonds seit 2018 fallen dabei nicht zufällig mit einer höheren Nachfrage aus Amerika zusammen, denn dort sind die meisten von ihnen beheimatet. Banken, Pensionsfonds, Versicherungen und Sonstige handelten im 1. Halbjahr 2019 netto jeweils weniger als 1 Mrd. €.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2018 1/2019
Asset Manager 19,8 20,1
Banken -7,3 0,9
Broker -6,0 -12,2
Hedgefonds 36,1 20,8
Pensionsfonds 2,3 0,6
Sonstige 0,1 0,0
Versicherungen -1,3 -0,2
Zentralbanken 11,5 21,1