Sekundärmarktstruktur

Regelmäßige Sekundärmarktdatenerhebungen bei den meldenden Mitgliedern der Bietergruppe gewähren der Finanzagentur sowie den beteiligten Bieterbanken einen indikativen Einblick in den Markt für Bundeswertpapiere.

Die von den Bieterbanken gemeldeten Umsätze in Bundeswertpapieren liefern einen Einblick in die Struktur des Sekundärmarkts der Bundeswertpapiere.

Im Rahmen dieser Erfassung meldet ein repräsentativer Teil der Mitglieder der Bietergruppe auf freiwilliger Basis seine Handelsgeschäfte in Bundeswertpapieren (Bubills, Schätze, Bobls, Bunds und Inflationsindexierte) – kategorisiert nach gehandeltem Bundeswertpapier-Typ, nach Region und Institutionsform des Handelspartners. Anhand der Handelsvolumina und Nettopositionen lassen sich daraus grobe Strukturen des Sekundärmarktgeschäfts erkennen.

Bei der Ermittlung des (Brutto-)Handelsvolumens werden Kauf- und Verkaufsvolumina der Bieterbanken addiert. Die Nettohandelsvolumina ergeben sich als Saldo aus ihren Verkäufen abzüglich ihrer Käufe.

So entspricht bspw. eine Nettoposition von -22 Mrd. € ggü. Brokern einer um 22 Mrd. € höheren Summe von Käufen der Bieterbanken bei Brokern als Verkäufen an Broker. Die hier veröffentlichten Handelsdaten sind vorläufig, da verspätete Nachmeldungen zu Korrekturen führen können.

Handelsvolumen im Halbjahresvergleich 1/2020 vs. 1/2021

Mrd. € 1/2020 1/2021
(Brutto-)Handelsvolumen 2.306 2.365
Netto-Handelsvolumen 104,6 178,2

Im ersten Halbjahr 2021 wurden von den Banken der „Bietergruppe Bundesemissionen“ Handelsumsätze von insgesamt 2.365 Mrd. € gemeldet. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 ist das ein Zuwachs von 3 %.

Das Nettohandelsvolumen erhöhte sich im ersten Halbjahr 2021 auf den bisherigen Höchstwert der Statistik von rund 178 Mrd. Euro. Verglichen mit 105 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2020 ist dies ein Zuwachs von 70 %. Das Niveau dieser Nettoabsätze wird in erster Linie von der Höhe der Emissionsvolumen der Bundeswertpapiere im jeweiligen Zeitraum beeinflusst.

Finanzierungsinstrumente 1. Halbjahr 2021

Handelsvolumen - Instrumente

Aufgeschlüsselt nach Wertpapierarten ergab sich im 1. Halbjahr 2021 gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 die deutlichste prozentuale Zunahme im Handel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill). Ihr Anteil am Handel mit allen Bundeswertpapieren insgesamt stieg von 8 % auf 11 % bzw. von 181 Mrd. € auf 263 Mrd. €. Damit erreichen sie den höchsten Umsatz seit Statistikbeginn in 2005. Die prozentual zweithöchsten Umsatzzuwächse i.H.v. 31 % weisen die inflationsindexierten Bundeswertpapiere (ILB) auf, die mit rund 84 Mrd. € bzw. knapp 4 % (vs. 3 % 2020) Umsatzanteil so stark gehandelt wurden wie zuletzt im ersten Halbjahr 2017. Die 10-jährigen Bundesanleihen, zu denen auch die 2020 eingeführten 7- und 15-jährigen Laufzeiten gerechnet werden, fanden nach zwei schwachen Halbjahren mit einem Plus von 39 Mrd. € bzw. 3 % wieder zurück zu ihrem gewohnten Handelsniveau von rund 1.200 Mrd. Euro, was mehr als der Hälfte des gesamten Handelsvolumens mit allen Bundeswertpapieren entspricht. Grüne Bundeswertpapiere (Green) erreichten im ersten vollen Halbjahr seit ihrer Neuemission mit 24 Mrd. € einen Anteil von 1 % am gesamten Handelsvolumen.

Am deutlichsten gingen die Umsätze bei den Bundesobligationen (Bobl) zurück: -51 Mrd. € bzw. -13 %. Ihr Anteil am gesamten Handel fiel im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 um rund 3 Prozentpunkte auf 14 %. Umsatzeinbußen von ebenfalls 13 % bzw. 33 Mrd. € im Vergleich der ersten Halbjahre verzeichnen die Bundesschatzanweisungen (Schatz). 219 Mrd. € bedeuten für sie das handelsschwächste Halbjahr der Zeitreihe. Der Handel mit 30-jährigen Bundesanleihen (Bund30) ging um 9 % bzw. 23 Mrd. € zurück.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2020 1/2021
Bobl 393 342
Bubill 181 263
Bund10 1.156 1.195
Bund30 260 237
Green - 24
ILB 64 84
Schatz 252 219

Netto-Handelsvolumen - Instrumente

Im Vergleich der Nettoumsätze der ersten Halbjahre 2020/2021 führen die Bubills mit einem Plus von 38 Mrd. € (+73 %) die Liste der absoluten Zuwächse an. 90 Mrd. € an Nettokäufen anderer Marktteilnehmer von Banken der Bietergruppe markieren für sie ein Rekordhalbjahr. Prozentual liegen dagegen die Bund10 mit einem Plus von 83 % (+18 Mrd. €) vorn. Alle übrigen Bundeswertpapiere legen im Bereich einstelliger Milliardenwerte zu, prozentual reicht die Spanne dabei von +36 % bei den Bobl bis +79 % bei den ILB. Erwähnenswert sind die Nettokäufe von Bund30 in Höhe von rund 13 Mrd. € (+65 %) - die höchsten seit Statistikbeginn. Nettoverkäufe in Instrumenten (von anderen Marktteilnehmern an die Banken der Bietergruppe) finden seit jeher nur sehr selten statt, so auch in diesem Halbjahr für keines der Wertpapiersegmente.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2020 1/2021
Bobl 10,4 14,1
Bubill 51,9 89,9
Bund10 21,6 39,5
Bund30 7,6 12,5
Green - 0,5
ILB 2,5 4,4
Schatz 10,6 17,3

Regionen 1. Halbjahr 2021

Handelsvolumen - Regionen

Wenige Verschiebungen zeigen sich beim Blick auf die Handelsregionen. Mit Kontrahenten im Übrigen Europa (Europa ohne Euroraum-Staaten) wurde traditionell die Hälfte des Volumens umgesetzt. Von hier (-2 %) und aus Asien (-9 %) heraus verlagerten sich jedoch marginal Umsätze in die mit fast 30 % Anteil zweitwichtigste Handelsregion, den Euroraum (+8 %; höchste Umsätze seit 2013), und nach Amerika (+12 %), dessen Anteil am Handel sich über alle Regionen um 2 Prozentpunkte auf 15 % erhöhte. Die Veränderungen in den anderen Regionen fielen auf niedrigem Niveau in absoluten Werten marginal aus.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2020 1/2021
Afrika 2 2
Amerika 310 347
Arabische Staaten 6 9
Asien 153 139
Euroraum 635 688
übriges Europa 1.200 1.181

Netto-Handelsvolumen - Regionen

Analog zu den außerordentlich starken Zentralbankkäufen dominieren im ersten Halbjahr 2021 der Euroraum und Asien die Nettokäufe unter den Regionen. Kontrahenten aus dem Euroraum erhöhten nun bereits das vierte Halbjahr in Folge ihre Nettokäufe - allein im zweiten Halbjahr 2020 erwarben sie 94 Mrd. €. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 hat sich das Kaufvolumen auf einen Rekordwert von nun 111 Mrd. € verdreifacht. Die Nettoverkäufe asiatischer Kontrahenten in Höhe von 11 Mrd. € wandelten sich im zweiten Halbjahr 2020 zu Nettokäufen von rund 14 Mrd. € und verdreifachten sich im letzten halben Jahr auf nun nahezu 48 Mrd. €.

Erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2013 wurden die traditionell zweitwichtigsten bzw. zeitweilig sogar wichtigsten Nettokäufer aus dem übrigen Europa mit rund 29 Mrd. € damit von asiatischen Investoren aus den Top 2 verdrängt. Nicht minder stark schwankend verkauften amerikanische Kontrahenten im ersten Halbjahr 2021 per Saldo rund 9 Mrd. € - nach Nettokäufen von 11 Mrd. € vor einem Jahr und nachdem im ersten Halbjahr 2019 noch Rekordkäufe von 31 Mrd. € getätigt wurden. Die Nettoumsätze aus arabischen Staaten und Afrika schwanken seit zehn Jahren im Mittel um +/- 1 Mrd. €.

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2020 1/2021
Afrika 1,4 0,1
Amerika 11,4 -9,3
Arabische Staaten -1,2 0,1
Asien -10,9 47,6
Euroraum 37,3 111,0
übriges Europa 66,6 28,7

Institutionen 1. Halbjahr 2021

Handelsvolumen - Institutionen

Bei der Analyse nach handelnder Institution sind die Broker tonangebend. Neben echten Wertpapierhandelshäusern zählen darunter vor allem elektronische Handelsplattformen, über die der tatsächliche Handelspartner nicht identifiziert werden kann. Zusammen mit den ebenfalls gewichtigen Asset-Managern und Banken sorgen Broker seit Jahren für rund 80 % des Handels mit Bundeswertpapieren. Erstmals seit Statistikbeginn können die Zentralbanken als bisher viertwichtigster Kontrahent im ersten Halbjahr 2021 zu dieser Gruppe aufschließen.

Die Asset Manager und Broker mit jeweils deutlich über 600 Mrd. € bzw. nahezu unverändert jeweils rund 27 % Anteil am Handel insgesamt sind erneut die aktivsten Händler von Bundeswertpapieren im ersten Halbjahr 2021. Banken, die nach 19 % 2020 nur noch gut 16 % zum Gesamtumsatz beitrugen, generierten mit 389 Mrd. € (-11 %) die zweitniedrigsten Umsätze seit Statistikbeginn. Zentralbanken (und andere öffentliche Institutionen) kommen im ersten Halbjahr 2021 ebenfalls auf 16 % Umsatzanteil, der für sie aber ein Plus von 4 Prozentpunkten ggü. 2020 bedeutet. Mit 371 Mrd. € (+31 % ggü. der ersten Hälfte 2020) entfalten sie die stärksten Handelsaktivitäten seit 2013. Hedgefonds markieren mit einem Anteil von 10 % (vs. 9 % 2020) und Umsätzen von 238 Mrd. € (+19 %) die höchsten Umsätze seit Statistikbeginn. Pensionsfonds, Versicherungen und Sonstige machen in Summe weniger als 5 % der Gesamtumsätze aus.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 1/2020 1/2021
Asset Manager 668 650
Banken 436 389
Broker 632 631
Hedgefonds 200 238
Pensionsfonds 40 36
Sonstige 26 28
Versicherungen 22 21
Zentralbanken 283 371

Netto-Handelsvolumen - Institutionen

Die bereits aus der Bruttohandelsanalyse bekannte Dominanz der Asset Manager, Banken und Zentralbanken existierte bis zum Beginn des EZB-Kaufprogramms über den Großteil des Betrachtungszeitraums auch beim Nettoabsatz. Im zweiten Halbjahr 2015 fielen zuerst die Asset Manager per saldo komplett als Käufer aus, bevor sie im ersten Halbjahr 2018 auf früherem Niveau kaufend zurückkehrten, während zeitgleich die Banken zu Nettoverkäufern wurden. 2018 kamen die Hedgefonds als bedeutende Nettokäufer hinzu. Sie erwarben bis zum ersten Halbjahr 2020 durchweg mehr Bundeswertpapiere als die Banken – in den ersten Halbjahren jeweils sogar mehr als die Asset Manager. Die höchsten Nettokäufe, die seit Statstikbeginn je eine Kontrahentengruppe auf sich vereinigen konnte, gehen im ersten Halbjahr 2021 jedoch auf das Konto der Zentralbanken. Nachdem sich bereits vom ersten auf das zweite Halbjahr 2020 ihre Nettokäufe auf 134 Mrd. € fast verdoppelten, stiegen sie ein weiteres Halbjahr später noch einmal um 50 % auf die Rekordsumme von 202 Mrd. €.

Verschwindend gering wirken dagegen die Nettokäufe der zweitstärksten Käufer, der Geschäftsbanken, mit 8 Mrd. € sowie der Asset Manager mit rund 6 Mrd. € (niedrigster Wert seit 2017). Die beiden traditionell starken Nettokäufer erwarben im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 ganze 48 % bzw. 76 % weniger. Pensionsfonds erreichten mit fast 7 Mrd. Euro Nettokäufen (wie schon im ersten Halbjahr 2020 die höchsten Käufe seit 2010) erstmals seit 2017 einen Platz unter den Top 3 der Bundeswertpapierkäufer. Hedgefonds tätigten mit per Saldo 5 Mrd. € nur noch weniger als ein Fünftel ihres Kaufvolumens vom ersten Halbjahr 2020. Versicherungen erwarben erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder mehr als 2 Mrd. € an Bundeswertpapieren .

Netto-Handel (in Mrd. €) 1/2020 1/2021
Asset Manager 23,6 5,7
Banken 15,8 8,3
Broker -37,8 -56,4
Hedgefonds 27,0 5,0
Pensionsfonds 3,3 6,8
Sonstige 2,1 4,1
Versicherungen -0,1 2,3
Zentralbanken 70,7 202,3