Sekundärmarktstruktur

Regelmäßige Sekundärmarktdatenerhebungen bei den Mitgliedern der Bietergruppe gewähren der Finanzagentur sowie den beteiligten Bieterbanken einen indikativen Einblick in den Markt für Bundeswertpapiere.

Die von den Bieterbanken gemeldeten Umsätze in Bundeswertpapieren liefern einen Einblick in die Struktur des Sekundärmarkts der Bundeswertpapiere.

Im Rahmen dieser Erfassung meldet ein repräsentativer Teil der Mitglieder der Bietergruppe auf freiwilliger Basis seine Handelsgeschäfte in Bundeswertpapieren (Bubills, Schätze, Bobls, Bunds und Inflationsindexierte) – kategorisiert nach gehandeltem Bundeswertpapier-Typ, nach Region und Institutionsform des Handelspartners. Anhand der Handelsvolumina und Nettopositionen lassen sich daraus grobe Strukturen des Sekundärmarktgeschäfts erkennen.

Bei der Ermittlung des (Brutto-)Handelsvolumens werden Kauf- und Verkaufsvolumina der Bieterbanken addiert. Die Nettohandelsvolumina ergeben sich als Saldo aus ihren Verkäufen abzüglich ihrer Käufe.

Nettopositionen beschreiben dabei die nach Saldo aus Verkäufen und Käufen eingenommene Position der berichtenden Bieterbanken innerhalb einer Kategorie. So entspricht bspw. eine Nettoposition von -22 Mrd. € ggü. Brokern einer um 22 Mrd. € höheren Summe von Käufen der Bieterbanken bei Brokern als Verkäufen an Broker. Die hier veröffentlichten Handelsdaten sind vorläufig, da verspätete Nachmeldungen zu Korrekturen führen können.

Handelsvolumina im Jahresvergleich 2017 vs. 2018

Mrd. € 2017 2018
(Brutto-)Handelsvolumen 4.790 4.694
Netto-Handelsvolumen 130,2 109,6

Mit einem Handelsvolumen von 4.694 Mrd. Euro konnte sich 2018 der Aufwärtstrend des Jahres 2017 nicht in vollem Umfang fortsetzen. Die Umsätze lagen zwar 9 % über denen im bisher umsatzschwächsten Jahr 2016, aber rund 2 % niedriger als 2017. Nach dem umsatzstärksten ersten Halbjahr seit fünf Jahren verhinderte das schwächste zweite Halbjahr seit Statistikbeginn eine bessere Jahresbilanz.

Trotz höheren Emissionsvolumens ging der Nettohandel 2018 im Vergleich zum Vorjahr von rund 130 Mrd. Euro auf knapp 110 Mrd. Euro zurück. Noch 2016 wurden per Saldo Bundeswertpapiere im Volumen von 147 Mrd. Euro abgesetzt.

Finanzierungsinstrumente 2018

Handelsvolumen - Instrumente

Aufgeschlüsselt nach Wertpapierarten ergab sich 2018 gegenüber dem Vorjahr die deutlichste prozentuale Zunahme im Handel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill): +21 % bzw. gut 15 Mrd. €. Diese Belebung könnte vor allem auf das um 75 % erhöhte Emissionsvolumen zurückgehen, das über Aufstockungen auch auf ISIN-Ebene zu einem höheren handelbaren Volumen führte. In absoluten Zahlen (+54 Mrd. €) - aber auch in Relation zum gesamten Handelsvolumen über alle Instrumente, +2,3 Prozentpunkte, konnten zehnjährige Bundesanleihen (Bund10) am stärksten zulegen. Um 0,5 Prozentpunkte bzw. 14 Mrd. € stieg der Handelsanteil mit 30-jährigen Bundesanleihen (Bund30) im Zuge eines um mehr als ein Drittel erhöhten Emissionsvolumens 2018.

Der stärkste Umsatzrückgang entfällt auf Bundesobligationen (Bobl). Ein um 9 % geringeres Emissionsvolumen ging hier einher mit einem um 121 Mrd. € geringeren Handel bzw. 2,2 Prozentpunkten anteiligem Verlust am gesamten Handel mit allen Instrumenten. Bereits seit 2015 ist der Handel mit inflationsindexierten Bundeswertpapieren (ILB) rückläufig. Das Emissionsvolumen auf Vorjahresniveau wurde hier jedoch von der Fälligkeit der letzten inflationsindexierten Bundesobligation im April 2018 überkompensiert. Entsprechend sank der Handel gegenüber 2017 um 38 Mrd. € bzw. anteilig 0,7 Prozentpunkte etwas stärker. Bei Bundesschatzanweisungen (Schatz) veränderten sich Emissionsvolumen (-6 %) und Anteil am Gesamthandel (-20 Mrd. € bzw. -0,1 Prozentpunkte) kaum.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 2017 2018
Bobl 870 749
Bubill 69 84
Bund10 2.697 2.751
Bund30 365 379
ILB 173 135
Schatz 615 595

Netto-Handelsvolumen - Instrumente

Analog den Bruttohandelsdaten belebte sich auch der Nettohandel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill) im Gesamtjahr 2018: 23,5 Mrd. € - nach 9,3 Mrd. € im Vorjahrestiefpunkt mehr als eine Verdoppelung. Ebenfalls positiv vom höheren Emissionsvolumen beeinflusst entwickelte sich der Nettohandel bei den 30-jährigen Bundesanleihen (Bund30) mit +24 % auf 12,7 Mrd. € - den zweithöchsten Wert seit Statistikbeginn. Inflationsindexierte Bundeswertpapiere (ILB) erreichten trotz eines unveränderten Emissionsvolumens einen um 34 % höheren Nettoabsatz von 4,6 Mrd. €.

Leicht rückläufig im Vergleich zu 2017 zeigte sich der Nettoabsatz bei Bundesschatzanweisungen (Schatz), der um 8 % auf rund 30 Mrd. € sank. Wesentlich stärker reduzierten sich die Nettoverkäufe bei Bundesobligationen (Bobl): -28 % auf 18,7 Mrd. €, den drittniedrigsten Wert ihrer Statistik. Entgegen dem positiven Trend beim Bruttohandel fiel der Nettoabsatz bei zehnjährigen Bundesanleihen (Bund10) gegenüber dem außerordentlich starken Vorjahr um fast 60 % auf rund 20 Mrd. € und damit den niedrigsten Wert seit 2011.

Netto-Handel (in Mrd. €) 2017 2018
Bobl 25,9 18,7
Bubill 9,3 23,5
Bund10 48,8 20,1
Bund30 10,2 12,7
ILB 3,4 4,6
Schatz 32,6 30,1

Regionen 2018

Handelsvolumen - Regionen

In der geografischen Verteilung stieg der Handelsanteil von Kontrahenten aus dem übrigen Europa, der mit großem Abstand bedeutendsten Umsatzregion, um mehr als 44 Mrd. € bzw. 2 Prozentpunkte auf rund 57 %. Trotz eines Rückgangs um knapp 3 Mrd. € gegenüber dem Rekordwert aus dem Vorjahr konnten Kontrahenten aus Amerika anteilig am gesamten Handel mit allen Kontrahenten 0,2 Prozentpunkte zulegen. Insbesondere dank des stärksten ersten Halbjahrs seit Statistikbeginn reiht sich 2018 als zweitbestes jährliches Handelsergebnis für diese Region ein. Nach dem handelsstärksten ersten Halbjahr sowie dem handelsschwächsten zweiten Halbjahr der Statistik führen im Gesamtjahr für die arabischen Staaten Zuwächse von fast 3 Mrd. € bzw. 0,1 Prozentpunkte zu den höchsten Umsatzzahlen seit 2011.

Die deutlichsten Umsatzrückgänge wurden 2018 mit Kontrahenten aus dem Euroraum verbucht: -86 Mrd. € bzw. anteilig -1,3 Prozentpunkte. Es wurde das niedrigste Handelsergebnis seit Statistikbeginn erreicht. Der seit 2012 anhaltende Trend sinkender Handelsumsätze mit asiatischen Kontrahenten konnte 2017 nur kurz unterbrochen werden. Schon 2013 wurde Asien als drittwichtigste Handelsregion von Amerika abgelöst. Heute bestreitet es klar weniger als die Hälfte der Umsätze Amerikas. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Handelsaktivität mit Asien um rund 50 Mrd. € bzw. 1 Prozentpunkt ab und liegt nun wieder in etwa auf dem Niveau von 2016 - dem drittschwächsten Jahr der Statistik. Auf verschwindend geringem Niveau reduzierte sich das Handelsvolumen mit Afrika auf einen Anteil am Gesamthandel von weniger als 0,1 %.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 2017 2018
Afrika 7 2
Amerika 714 711
Arabische Staaten 20 22
Asien 334 284
Euroraum 1.098 1.012
übriges Europa 2.619 2.663

Netto-Handelsvolumen - Regionen

As for the gross trading numbers, counterparts from Europe (without Euro area) reached the highest gains in net trading volume: € +5.7 bn (to a total of € 48.3 bn) across all regions. Though, a below average second half-year followed a very active first one and so the counterparts from Euro area could overtake 'other Europe' due to their very strong second half-year as most important net buyer of German Government securities on annual basis with a total of € 53.6 bn (€ +3.5 bn). Net trading with American counterparts proves as volatile since many years - and so in 2018 when the 2016 established upward trend from the high negative to the slight positive level continued by € +2.9 bn to € 5.3 bn. But also in this case a very positive first half-year was followed by a weaker and significant negative second half-year. In contrast to the gross trading statistics, American counterparts bought less than Asian ones on balance.

However, Asian traders purchased on balance € 10.2 bn in 2018 . But this means a drop of almost € 30 bn compared to 2017's level of € 39.3 bn and therewith the highest decline of all regions. Since 2014 (€ 7.1 bn) a negative trend of trading activity established with Arabian counterparts which became net sellers in 2017 on a level of € -4.2 bn. In 2018 this continued trend led to a net selling volume of € -8.4 bn, the lowest level on records. Since 2015 net trading with Africa hovers around relative unimportant levels of less than € 1 bn, positive or negative.

Netto-Handel (in Mrd. €) 2017 2018
Afrika -0,0 0,6
Amerika 2,5 5,3
Arabische Staaten -4,2 -8,4
Asien 39,3 10,2
Euroraum 50,1 53,6
übriges Europa 42,6 48,3

Institutionen 2018

Handelsvolumen - Institutionen

2018 tätigten Asset Manager, Banken und Hedgefonds höhere (Brutto-)Handelsumsätze als noch im Vorjahr. Während vor allem Asset Manager um 42 Mrd. € und Banken um 36 Mrd. € in absoluten Zahlen am stärksten zulegen konnten, erreichten Hedgefonds mit einem nur geringen Plus von etwas mehr als 1 Mrd. € auf über 370 Mrd. € dennoch das höchste bisher für sie gemessene Handelsvolumen. Durch stetige Zuwächse konnten sie ihren Anteil am gesamten Handel (über alle Kontrahenten) von 2014 (5 %) auf 2018 (8 %) kontinuierlich ausbauen. Asset Manager steigerten ihren Anteil am gesamten Handel um 1,4 Prozentpunkte und erreichten 2018 ihr zweithöchstes Umsatzlevel seit Statistikbeginn. Banken gewannen 0,2 Prozentpunkte hinzu.

Absolute Rückgänge waren dagegen mit -10 Mrd. € im Handel mit Brokern, der sowohl 'echten' Brokerhandel als auch elektronischen Handel umfasst, zu verzeichnen. Ihr Anteil am Gesamthandel stieg gegenüber 2017 dennoch um 0,4 Prozentpunkte. Sie bleiben knapp vor den Asset Managern weiterhin wichtigste Kontrahentengruppe. "Sonstige", zu denen Privatanleger und Unternehmen aus Industrie und Handel sowie alle weiteren nicht zuordenbaren Kontrahenten zählen, verloren mit mehr als 9 Mrd. € ähnlich viel an Umsatz bzw. sogar anteilig 0,2 Prozentpunkte. Ihr Handelsvolumen fällt auf den niedrigsten Wert seit Statistikbeginn zurück. Auf miteinander vergleichbarem Niveau (rund 40 Mrd. €) und in ähnlicher Relation (rund 2 Mrd. €) nahm 2018 der Handel mit Pensionsfonds (zweitgeringster Umsatz seit Statistikbeginn) und Versicherungen ab. Anteilig entfällt auf beide fast unverändert jeweils knapp 1 % des gesamten Handels mit Bundeswertpapieren. Überraschend und unerwartet deutlich fällt das Handelsvolumen mit Zentralbanken auf den niedrigsten Wert seit Statistikbeginn: -153 Mrd. € auf 432 Mrd. Anteilig zeichnete sich dieser Rückgang bereits seit 2016 ab: von rund 14 % in 2015 über 12 % in 2017 bis auf 9 % in 2018.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 2017 2018
Asset Manager 1.292 1.334
Banken 1.001 1.037
Broker 1.407 1.397
Hedgefonds 369 370
Pensionsfonds 44 43
Sonstige 52 42
Versicherungen 41 39
Zentralbanken 584 432

Netto-Handelsvolumen - Institutionen

2018 fielen die Nettohandelsvolumina gleich dreier Kontrahenten auf historische Tiefs. Erstmals agierten gleich vier der acht Kontrahentengruppen per Saldo als Nettoverkäufer von Bundeswertpapieren - darunter die Banken, die erstmals seit Statistikbeginn als Nettoverkäufer auftraten. Fast der gesamte positive Vorjahressaldo der Banken i.H.v. 13,6 Mrd. € drehte sich 2018 mit -12,4 Mrd. € in den Nettoverkaufsbereich. Der 2014 beginnende Trend stetig niedrigerer Nettohandelsvolumina setzte sich weiter fort. Ebenfalls ein neues Zeitreihentief im Nettoverkäuferbereich etablierten die "Sonstigen", die 2018 bereits beim Bruttohandel ihr bisher schwächstes Handelsjahr aufwiesen, mit einem Rückgang um 6,8 Mrd. €. Selbst die seit 2006 wichtigsten Nettokäufer von Bundeswertpapieren, die Zentralbanken, kauften 2018 per Saldo mit 55,5 Mrd. € weniger als die Hälfte ihres 2017er Volumens (116,9 Mrd. €) und damit so wenig wie noch nie seit Statistikbeginn.
Weit weniger signifikant fielen die Rückgänge der Nettokäufe bei den Pensionsfonds aus. Dennoch führte auch hier ein Rückgang von 4 Mrd. € gegenüber Nettokäufen von  3,1 Mrd. € in 2017 zu Nettoverkäufen von -0,9 Mrd. € in 2018, der schwächste Wert seit 2013. Versicherungen traten 2018 mit 0,1 Mrd. €, den niedrigsten Nettokäufen seit 2012, gerade noch als Nettokäufer auf, während sie noch im Vorjahr per Saldo 1,9 Mrd. € erwarben.

Dagegen erreichten 2018 die traditionell im Negativsaldo agierenden Broker ihr zweitbestes Jahresergebnis: -6,8 Mrd. €. Ein deutliches Comeback schafften die Asset Manager, die seit 2016 (hier erstmals sogar negativ) kaum noch als Nettokäufer in Erscheinung traten. 34,9 Mrd. € stellen für sie das beste Ergebnis seit 2014 dar und bedeuten ein Plus von 33,9 Mrd. € gegenüber 2017. Noch stärker überraschten Hedgefonds: ausgehend vom Negativrekord in 2016 (-11 Mrd. €) über nicht ganz -1 Mrd. € in 2017 ließen Nettokäufe über 40,4 Mrd. € sie 2018 zu den zweitwichtigsten Abnehmern von Bundeswertpapieren werden.

Netto-Handel (in Mrd. €) 2017 2018
Asset Manager 1,0 34,9
Banken 13,6 -12,4
Broker -11,3 -6,8
Hedgefonds -0,7 40,4
Pensionsfonds 3,1 -0,9
Sonstige 5,7 -1,1
Versicherungen 1,9 0,1
Zentralbanken 116,9 55,5