Umsätze am Sekundärmarkt

Die regemäßig von den Bieterbanken gemeldeten Umsätze in Bundeswertpapieren liefern einen indikativen Einblick in die Struktur des Sekundärmarkts der Bundeswertpapiere.

Ein repräsentativer Teil der Mitglieder der Bietergruppe meldet auf freiwilliger Basis seine Handelsgeschäfte in Bundeswertpapieren (Bubills, Schätze, Bobls, Bunds, Grüne und inflationsindexierte Bundeswertpapiere) – kategorisiert nach gehandeltem Bundeswertpapier-Typ, nach Region und Institutionsform des Handelspartners. Anhand der Handelsvolumina und Nettopositionen lassen sich daraus grobe Strukturen des Sekundärmarktgeschäfts erkennen.

Das Bruttohandelsvolumen ergibt sich aus der Addition der gemeldeten Verkaufs- und Kaufvolumina der Mitgliedsbanken. Das Netto-Handelsvolumen ist der Saldo aus Verkäufen minus Kaufvolumen.

So entspricht bspw. eine Nettoposition von -22 Mrd. Euro ggü. Brokern einer um 22 Mrd. Euro höheren Summe von Käufen der Bieterbanken bei Brokern als Verkäufen an Broker. Die hier veröffentlichten Handelsdaten sind vorläufig, da verspätete Nachmeldungen zu Korrekturen führen können.

Handelsvolumen im Jahresvergleich 2021 vs. 2020

Mrd. €20202021
(Brutto-)Handelsvolumen4.2554.831
Netto-Handelsvolumen267,3351,7

Mit 4.831 Mrd. Euro erreichten die gemeldeten Handelsumsätze 2021 das höchste Niveau seit 2014. Gegenüber dem Vorjahr beläuft sich der Umsatzzuwachs auf 14 Prozent, mit dem größeren Anstieg im zweiten Halbjahr 2021 (+ 27 Prozent ggü.   Vorjahreszeitraum). Erstmals seit Statistikbeginn überstiegen die Umsätze eines zweiten Halbjahrs jene des ersten.

Gleichzeitig erhöhte sich im Jahresverlauf das Volumen der umlaufenden Bundeswertpapiere lediglich um 12 Prozent auf 1.427 Mrd. Euro. Die Handelsumsätze legten somit überdurchschnittlich zu. Die Umschlagshäufigkeit, welche zeigt, wie oft ein Bundeswertpapier im Schnitt seinen Besitzer wechselt, nahm vom Zeitreihentief bei 3,3 im Vorjahr marginal auf 3,4 zu.

Erneut führte ein Emissionsvolumen in Rekordhöhe von 483 Mrd. Euro auch zu einem Höchstwert beim Nettohandelsumsatz. 2021 legte dieser im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um gut ein Drittel auf rund 352 Mrd. Euro zu.

Finanzierungsinstrumente 2021

Handelsvolumen - Instrumente

Bereits das vierte Jahr in Folge erhöhten sich die Handelsumsätze mit Unverzinslichen Schatzanweisungen, den Geldmarktpapieren des Bundes. Ausgehend von ihrem schwächsten Handelsjahr 2017 verachtfachte sich ihr Anteil am Handelsvolumen aller Bundeswertpapiere auf fast 12 Prozent und markierte zudem in 2021 mit 557 Mrd. Euro einen absoluten Rekordwert. Auch das Handelsvolumen der Grünen Bundeswertpapiere erreichte einen neuen Höchstwert – allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau und bei sehr kurzer Historie. Die erstmals im Jahresverlauf 2020 begebenen Grünen Bundeswertpapiere wurden in ihrem ersten vollständigen Handelsjahr 2021 im Volumen von 52 Mrd. Euro umgesetzt, was anteilig 1 Prozent des gesamten Handelsvolumens aller Bundeswertpapiere entspricht. Die Umsatzzuwächse bei Geldmarktpapieren (+32 Prozent) und Grünen Bundeswertpapieren (+ 117 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr lassen sich auf entsprechend höhere Emissions- und damit ausstehende Volumen zurückführen.

Rückläufig entwickelten sich 2021 nur die Umsätze in Bundesschatzanweisungen. Der Handel dieser zweijährigen Papiere ging - trotz höherem ausstehenden Volumen - um 8 Prozent auf 464 Mrd. Euro und damit auf den niedrigsten Wert seit Statistikbeginn zurück. Genau gegenläufig zu den Unverzinslichen Schatzanweisungen fiel ihr Handelsvolumen seit 2017 stetig. Ihren Status als das am dritthäufigsten gehandelte Bundeswertpapier mussten sie 2021 erstmals an die 12-monatigen Unverzinslichen Schatzanweisungen abtreten.

Brutto-Handel (in Mrd. €)20202021
Bobl694715
Bubill421557
Bund102.0632.392
Bund30434487
Green2452
ILB114163
Schatz504464

Netto-Handelsvolumen - Instrumente

2021 war ein weiteres starkes Jahr für alle Bundeswertpapiere, die bereits im Vorjahr hohe Nettokäufe erzielen konnten. So zogen die Nettokäufe der 10- (sowie 7- und 15-)jährigen Bundesanleihen um ein Viertel an, bei den Bubills stiegen sie nach dem Rekordwert aus dem Vorjahr noch einmal um die Hälfte. Der Nettohandel mit Bundesobligationen und dreißigjährigen Bundesanleihen verharrte in etwa auf dem relativ hohen Vorjahreswert.
Jeweils die dritthöchsten Nettokäufe der Zeitreihe wurden für Bundesschatzanweisungen (Schatz) und Inflationsindexierte Bundeswertpapiere (ILB) gemessen. Gegenüber 2020 bedeutet dies ein Plus von knapp einem Viertel für Schätze und beachtlichen 85 Prozent für ILB.

Trotz leicht höherem Emissionsvolumen verfehlten die Nettokäufe der Grünen Bundeswertpapiere mit 3,5 Mrd. Euro um 20 Prozent das Niveau des Vorjahres.

Netto-Handel (in Mrd. €)20202021
Bobl32,229,9
Bubill123,9185,9
Bund1055,169,5
Bund3012,412,0
Green4,43,5
ILB3,86,9
Schatz35,743,9

Regionen 2021

Handelsvolumen - Regionen

In der regionalen Verteilung der Handelspartner ergaben sich 2021 kaum Veränderungen. Bis auf Afrika wurden mit allen Regionen mehr Bundeswertpapiere gehandelt als in den Vorjahren. 2021 tätigten amerikanische Kontrahenten mit 702 Mrd. Euro die dritthöchsten Umsätze seit Statistikbeginn 2005. Über die letzten drei Jahre ist eine Verschiebung der Handelsaktivitäten vom übrigen Europa (Staaten außerhalb des Euroraums) in den Euroraum erkennbar: Wurden 2018 noch 57 Prozent der Bundeswertpapiere mit Kontrahenten im übrigen Europa und 22 Prozent innerhalb des Euroraums gehandelt - so stieg der ‚Binnenhandel‘ bis 2021 auf mehr als 29 Prozent, während europäische Kontrahenten außerhalb des Euroraums erstmalig etwas weniger als 50 Prozent zum Gesamtumsatz beitrugen. Sowohl das Kaufprogramm der EZB als auch der Brexit dürften wichtige Treiber dieses Trends sein.

Brutto-Handel (in Mrd. €)20202021
Afrika43
Amerika598702
Arabische Staaten1114
Asien256301
Euroraum1.1961.414
übriges Europa2.1902.398

Netto-Handelsvolumen - Regionen

Die Bundeswertpapierkäufe im Euroraum übertrafen 2021 nicht nur ihren eigenen Rekordwert aus dem Vorjahr noch einmal um fast das Doppelte - sie stellten auch erneut die Käufe aller anderen Regionen in den Schatten. Obwohl asiatische Kontrahenten nach zwei absatzschwachen Jahren 2021 ebenfalls so viele Bundeswertpapiere erwarben wie nie zuvor, wirkt ihr stattliches Nettokaufvolumen von 87 Mrd. Euro im Vergleich zu den überdimensionalen 242 Mrd. Euro des Euroraums dennoch gering. Bereits dessen Nettokaufvolumen von 132 Mrd. Euro aus dem Vorjahr wurde zuvor von keiner anderen Region erreicht.

Dagegen drittelten sich die Nettokäufe aus dem übrigen Europa im Vergleich zum Vorjahr auf 36 Mrd. Euro, den zweitniedrigsten Wert seit Statistikbeginn. Aus Amerika wurden 2021 per Saldo erstmals wieder Bundeswertpapiere verkauft (-13 Mrd. Euro). Noch in den beiden Vorjahren wurden von dort netto jeweils deutlich mehr als 20 Mrd. Euro erworben.

Netto-Handel (in Mrd. €)20202021
Afrika1,90,7
Amerika25,0-13,4
Arabische Staaten-1,1-0,9
Asien2,886,7
Euroraum131,6242,3
übriges Europa107,236,3

Institutionen 2021

Handelsvolumen - Institutionen

Bei den Kontrahenten im Handel mit Bundeswertpapieren gewinnen neben den Zentralbanken die Hedgefonds seit Jahren an Bedeutung. Letztere handelten mit 551 Mrd. Euro in 2021 so viele Bundeswertpapiere wie nie zuvor. Ihr Anteil am Handel aller Kontrahenten stieg von etwas mehr als 2 Prozent in 2009 auf mehr als 11 Prozent bis 2021. Dynamischer legte das Handelsvolumen mit Zentralbanken zu. Diese tätigten noch 2019 mit 395 Mrd. Euro die geringsten Umsätze seit Statistikbeginn, stemmten aber mit 748 Mrd. Euro bereits 2021 wieder ihr dritthöchstes Handelsvolumen. Asset Manager erreichten 2021 ihr zweithöchstes Handelsvolumen in der Statistik. Neben den Brokern sind sie mit jeweils einem Handelsanteil von knapp unter 30 Prozent seit Jahren die wichtigsten Liquiditätstreiber.

Banken verlieren bereits das dritte Jahr in Folge an Bedeutung – sowohl absolut mit dem zuletzt geringsten Handelsvolumen seit Statistikbeginn als auch anteilig am Umsatz aller Kontrahenten. Ihr Handelsanteil fiel von 22 Prozent in 2018 auf 16 Prozent in 2021.

Brutto-Handel (in Mrd. €)20202021
Asset Manager1.2021.325
Banken781776
Broker1.1921.261
Hedgefonds373551
Pensionsfonds6879
Sonstige4754
Versicherungen3738
Zentralbanken555748

Netto-Handelsvolumen - Institutionen

Ähnlich beeindruckend wie der Euroraum unter den Regionen, führen die Zentralbanken unter den Kontrahenten die Rangliste der Nettokäufer an. Schon 2020 übertrafen ihre Nettokäufe die aller anderen Nettokäufer zusammengenommen deutlich, 2021 lagen sie mit 391 Mrd. Euro um das Dreifache höher als die Summe der anderen Käufer. In diesem Umfang hat zuvor noch kein Kontrahent Bundeswertpapiere erworben. Auch die Nettokäufe von Pensionsfonds und Versicherungen nehmen seit 2018 zu, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Sie tätigten 2021 ihre jeweils zweit- bzw. dritthöchsten Nettokäufe seit Statistikbeginn.

Die traditionell zweit- und drittstärksten Nettokäufer, Asset Manager und Banken, behaupten sich in dieser Rolle auch 2021 wieder – jedoch nur mit rund 40 Prozent bzw. 60 Prozent ihrer vergleichsweise hohen Vorjahreskäufe. Nach drei kaufstarken Jahren scheinen nun Hedgefonds ‚Kasse zu machen‘. Sie verkauften per Saldo zum ersten Mal seit 2017 wieder Bundeswertpapiere im Volumen von 5 Mrd. Euro.

Netto-Handel (in Mrd. €)20202021
Asset Manager61,026,4
Banken37,322,1
Broker-77,4-111,0
Hedgefonds24,5-5,1
Pensionsfonds10,315,0
Sonstige5,28,4
Versicherungen1,65,4
Zentralbanken204,8390,6