Sekundärmarktstruktur

Regelmäßige Sekundärmarktdatenerhebungen bei den Mitgliedern der Bietergruppe gewähren der Finanzagentur sowie den beteiligten Bieterbanken einen indikativen Einblick in den Markt für Bundeswertpapiere.

Die von den Bieterbanken gemeldeten Umsätze in Bundeswertpapieren liefern einen Einblick in die Struktur des Sekundärmarkts der Bundeswertpapiere.

Im Rahmen dieser Erfassung meldet ein repräsentativer Teil der Mitglieder der Bietergruppe auf freiwilliger Basis seine Handelsgeschäfte in Bundeswertpapieren (Bubills, Schätze, Bobls, Bunds und Inflationsindexierte) – kategorisiert nach gehandeltem Bundeswertpapier-Typ, nach Region und Institutionsform des Handelspartners. Anhand der Handelsvolumina und Nettopositionen lassen sich daraus grobe Strukturen des Sekundärmarktgeschäfts erkennen.

Bei der Ermittlung des (Brutto-)Handelsvolumens werden Kauf- und Verkaufsvolumina der Bieterbanken addiert. Die Nettohandelsvolumina ergeben sich als Saldo aus ihren Verkäufen abzüglich ihrer Käufe.

Nettopositionen beschreiben dabei die nach Saldo aus Verkäufen und Käufen eingenommene Position der berichtenden Bieterbanken innerhalb einer Kategorie. So entspricht bspw. eine Nettoposition von -22 Mrd. € ggü. Brokern einer um 22 Mrd. € höheren Summe von Käufen der Bieterbanken bei Brokern als Verkäufen an Broker. Die hier veröffentlichten Handelsdaten sind vorläufig, da verspätete Nachmeldungen zu Korrekturen führen können.

Handelsvolumina im Halbjahresvergleich 2/2016 vs. 1/2017

Mrd. € 2/2016 1/2017
(Brutto-)Handelsvolumen 2.135 2.584
Netto-Handelsvolumen 83,7 82,2

Im ersten Halbjahr 2017 wurden so viele Bundeswertpapiere gehandelt, wie schon seit zwei Jahren nicht mehr. Das (Brutto-)Handelsvolumen lag rund 21 % über dem des letzten Halbjahres 2016. Im Gegensatz zum zweiten Halbjahr 2016 verteilte es sich dabei wieder relativ gleichmäßig über beide Quartale.

Netto wurden im vergangenen Halbjahr Bundeswertpapiere im Volumen von insgesamt rund 82 Mrd. € abgesetzt – nach fast 84 Mrd. € im zweiten und rund 63 Mrd. €  im ersten Halbjahr 2016. Das Niveau dieser Nettoabsätze wird unter anderem von der Höhe der Emissionsvolumina der Bundeswertpapiere im jeweiligen Zeitraum beeinflusst.

Finanzierungsinstrumente 1. Halbjahr 2017

Handelsvolumen - Instrumente

Aufgeschlüsselt nach Wertpapierarten konnten im ersten Halbjahr 2017 insbesondere die Bundeswertpapiere mit kurzen und mittleren Laufzeiten im Handelsvolumen zulegen. So stieg der Anteil von Bundesobligationen (Bobl) am Handel mit allen Bundeswertpapieren um mehr als 2 Prozentpunkte am deutlichsten. Bundesschatzanweisungen (Schatz) und zehnjährige Bundesanleihen (Bund 10) konnten im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2016 jeweils um rund 0,5 Prozentpunkte zulegen. Der Anteil von inflationsindexierten Bundeswertpapieren (ILB) am gesamten Handelsvolumen verharrte nahezu konstant bei rund 4 %.

Mehr als 2 Prozentpunkte büßte dagen der Handel mit den 30-jährigen Bundesanleihen (Bund 30) ein. Um etwas mehr als 1 Prozentpunkt ging anteilig der Handel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubill) zurück. In absoluten Zahlen wurden sie mit knapp 32 Mrd. € fast 40 % weniger gehandelt als noch im vorherigen Halbjahr - der niedrigste Wert seit Datenerhebung. Die Ursache hierfür liegt in der - mit einer Ausnahme (2016) - fast stetigen Reduktion ihres Emissionsvolumens über die letzten acht Jahre begründet. Analog sank der Anteil der Unverzinslichen Schatzanweisungen am Handel mit allen Bundeswertpapieren von über 8 % (krisenbedingt überdurchschnittlich hoch) in 2009 auf 3 % in 2014 und 1 % aktuell.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 2/2016 1/2017
Bobl 340 466
Bubill 52 32
Bund10 1.199 1.465
Bund30 214 200
ILB 77 101
Schatz 253 321

Netto-Handelsvolumen - Instrumente

Analog der Bruttohandelsdaten stellte sich auch beim Nettohandel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen im ersten Halbjahr 2017 ein historisches Minimum von 3,5 Mrd. € ein, nach 10,5 Mrd. € im vorhergehenden Halbjahr. Bei den inflationsindexierten Bundeswertpapieren (ILB) gingen die Nettohandelsumsätze um rund 23 % zurück, bei 30-jährigen Bundesanleihen (Bund30) um gut 20 %. Rückläufig zeigte sich auch der Nettohandel mit Bundesschatzanweisungen (Schatz) im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2016. Er reduzierte sich um 9 %.

Fast zwei Verdoppelungen in Folge ergaben sich im Nettohandel mit zehnjährigen Bundesanleihen (Bund10): Ausgehend von 12 Mrd. € im ersten Halbjahr 2016 auf 23,2 Mrd. €  im zweiten Halbjahr 2016 und schließlich (um +75 %) auf fast 40,6 Mrd. € im ersten Halbjahr 2017. Das ist der beste Wert seit Beginn der Datenerhebung.

Netto-Handel (in Mrd. €) 2/2016 1/2017
Bobl 20,6 12,2
Bubill 10,5 3,5
Bund10 23,2 40,6
Bund30 4,7 3,8
ILB 2,4 1,9
Schatz 22,3 20,3

Regionen 1. Halbjahr 2017

Handelsvolumen - Regionen

In der geografischen Verteilung legte der (Brutto-)Handel in absoluten Zahlen mit allen Regionen zu. Mit Kontrahenten aus Amerika konnte das beste Handelsergebnis seit Datenerhebung verbucht werden. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2016 stieg es um 43 % auf 378 Mrd. € bzw. anteilig um mehr als 2 Prozentpunkte am Handel mit allen Regionen. Ausgehend vom sehr niedrigen Niveau der letzten Jahre vervielfachte sich das Handelsvolumen mit Afrika auf über 4 Mrd. € – dem höchsten Wert seit dem zweiten Halbjahr 2011. Der Handel mit arabischen Staaten erhöhte sich ebenfalls auf niedrigem Niveau startend um 72 % auf mehr als 10 Mrd. €. Anteilig am Gesamthandel über alle Regionen bleiben diese Zuwächse, ähnlich wie der leichte Rückgang in Asien aber kaum spürbar.

Hingegen ging der Handelsanteil von Kontrahenten aus dem übrigen Europa, der mit großem Abstand bedeutendsten Umsatzregion, um rund 1 Prozentpunkt zurück. Fast ein Viertel der Umsätze wurden mit Kontrahenten aus dem Euroraum getätigt. Trotz eines Anstiegs in absoluten Zahlen auf 606 Mrd. € nahm ihr Anteil am Handel im ersten Halbjahr 2017 um 1,5 Prozentpunkte ab.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 2/2016 1/2017
Afrika 1 4
Amerika 264 378
Arabische Staaten 6 10
Asien 150 174
Euroraum 532 606
übriges Europa 1.183 1.412

Netto-Handelsvolumen - Regionen

Erstmals seit mehr als drei Jahren traten die drei Regionen Asien, Euroraum und übriges Europa im ersten Halbjahr 2017 wieder in etwa gleich stark als Nettokäufer von Bundeswertpapieren auf. Aus dem 'traditionell' kaufstarken Trio verabschiedete sich Asien im ersten Halbjahr 2014. Ein Jahr später wies es mit -48 Mrd. € das negativste Nettohandelsergebnis auf, das seit Datenerhebung für eine Region gemessen wurde. Zeitgleich kamen aus dem übrigen Europa die bisher höchsten Nettokäufe einer Region.
Während der Nettohandel mit dem übrigen Europa im ersten Halbjahr 2017 in etwa auf dem Niveau des vorhergehenden Halbjahres verharrte, halbierten sich die Nettokäufe aus dem Euroraum. Das erste negative Nettohandelsergebnis seit Statistikbeginn wurde i.H.v. -1,2 Mrd. € im ersten Halbjahr 2017 für die arabischen Staaten verzeichnet, die seit dem zweiten Halbjahr 2015 per Saldo kaum noch spürbar als Käufer von Bundeswertpapieren auftraten. Dagegen wandelte sich das Nettohandelsvolumen über +2 Mrd. € mit Amerika erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2014 wieder ins Positive.

Netto-Handel (in Mrd. €) 2/2016 1/2017
Afrika -0,1 -0,0
Amerika -4,8 2,0
Arabische Staaten 0,2 -1,2
Asien -1,3 24,2
Euroraum 62,9 31,1
übriges Europa 26,8 26,1

Institutionen 1. Halbjahr 2017

Handelsvolumen - Institutionen

Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2016 nahm der Handel mit Asset Managern um fast 40 % zu. Mit über 704 Mrd. € wurde ein neues Rekordniveau in der zwölfeinhalbjährigen Historie erreicht. Ihr Anteil am Handel mit allen Kontrahenten stieg um fast 4 Prozentpunkte auf 27 %. Ebenfalls ein historisches Hoch markierte im ersten Halbjahr 2017 der Handel mit Hedgefonds i.H.v. 209 Mrd. €. Banken erzielten nach ihrem bisher schwächsten Halbjahr seit Datenerhebung nun wieder ein um 23 % größeres Handelsvolumen i.H.v. 533 Mrd. Euro.

Die geringsten Handelsumsätze seit Erhebung der Daten wiesen dagegen die sonstigen Kontrahenten auf, zu denen bspw. Handels- und Industrieunternehmen sowie Privatanleger zählen. Sie fielen um 12 % und damit erstmals unter 30 Mrd. Euro. Parallel ging ihr Anteil am Handel mit allen Kontrahenten um fast 0,5 Prozentpunkte zurück. Der Anteil der Zentralbanken reduzierte sich um mehr als 2 Prozentpunkte trotz eines leichten Zuwachses von 5 Mrd. € beim Handelsvolumen. Nach wie vor bedeutendster Kontrahent bleiben die Broker, worunter insbesondere der Handel über elektronische Handelsplattformen erfasst wird. Ihr Anteil belief sich im ersten Halbjahr 2017 auf fast 754 Mrd. Euro und damit rund 29 % am gesamten Handel. Trotz eines Plus beim Handelsumsatz von 16 % sank ihr relativer Anteil um mehr als 1 Prozentpunkt.

Brutto-Handel (in Mrd. €) 2/2016 1/2017
Asset Manager 506 704
Banken 434 533
Broker 651 754
Hedgefonds 172 209
Pensionsfonds 22 28
Sonstige 32 29
Versicherungen 19 22
Zentralbanken 300 305

Netto-Handelsvolumen - Institutionen

Ein Blick auf das erste Halbjahr 2017 offenbart den deutlichsten Bestandsaufbau i.H.v. mehr als 80 Mrd. € bei Zentralbanken. Es ist der höchste Wert seit dem ersten Halbjahr 2013. Zentralbanken bilden bis auf wenige Ausnahmen bereits seit Beginn der Statistik die stärksten Nettokäufer. Mit deutlichem Abstand kommen die Banken als Nettokäufer auf knapp ein Zehntel der Nettokäufe von Zentralbanken - eine Halbierung im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2016. Sonstige folgen mit 3,1 Mrd. € und Asset Manager mit 1,5 Mrd. €.
Sowohl Banken als auch Asset Manager zählten neben den Zentralbanken traditionell zu den stärksten Käufern von Bundeswertpapieren. Seit dem Beginn des Anleiheankaufprogramms der EZB im ersten Halbjahr 2015 haben jedoch insbesondere die Asset Manager als Käufer an Bedeutung verloren und bauten in den letzten drei Halbjahren sogar Bestände ab.

Per Saldo leicht auf der Verkäuferseite befanden sich im ersten Halbjahr 2017 Hedgefonds und Pensionsfonds mit Verkäufen von 1 Mrd. € bzw. 1,6 Mrd. €.

Netto-Handel (in Mrd. €) 2/2016 1/2017
Asset Manager -2,2 1,5
Banken 15,9 7,6
Broker 1,1 -8,2
Hedgefonds -3,7 -1,0
Pensionsfonds -1,2 -1,6
Sonstige 4,4 3,2
Versicherungen 0,7 0,7
Zentralbanken 68,8 80,2