Historie

17. Januar 1820

In Folge des Erlasses der "Verordnung wegen der künftigen Behandlung des gesamten Staatsschuldenwesens" zur grundlegenden Neuregelung der preußischen Staatsfinanzen wird die "Preußische Hauptverwaltung der Staatsschulden" als "eine von den übrigen Staats- und Finanzverwaltungen ganz abgesonderte Behörde" gegründet.

Die Gründung ist Teil der Finanzverfassungsreform, mit der der preußische Staatskanzler Fürst von Hardenberg den infolge der Befreiungskriege in Unordnung geratenen Staatshaushalt sanieren und das Vertrauen in den Staatskredit stärken will. In der königlichen Verordnung sind erstmals Voraussetzungen und Verfahren staatlicher Kreditaufnahme geregelt, die zum Teil noch in den Finanzverfassung des Deutschen Reiches wie auch der Bundesrepublik Deutschland nachwirken werden. Erster Präsident ist Christian von Rother, ihm unterstehen vier Mitglieder.

24. Februar 1850

Aufgrund des Zustandekommens einer Verfassung für den preußischen Staat werden Aufgaben und Stellung der preußischen Staatsschuldenverwaltung durch das "Gesetz betreffend die Verwaltung des Staatsschuldenwesens und Bildung einer Staatsschuldenkommission" neu geregelt.

Die Hauptverwaltung der Staatsschulden bleibt als selbständige Behörde erhalten. Sie wird jedoch in das Finanzministerium eingegliedert. Die fachliche Kontrolle wird einer Staatsschulden-Kommission übertragen.

26. Juli 1867

Die Hauptverwaltung der Staatsschulden übernimmt mit Inkrafttreten der Verfassung des Norddeutschen Bundes dessen Schuldenverwaltung.

16. April 1871

Nach der Kaiserproklamation übernimmt die Hauptverwaltung der Staatsschulden die Aufgaben einer Reichsschuldenverwaltung und führt auch die Umwandlung der alten Anleihen in Reichsmark durch.

1883

Einrichtung des preußischen Staatsschuldbuches zur Vereinfachung der Abwicklung der staatlichen Schulden

19. März 1900

Die erste "Reichsschuldenordnung" konsolidiert verschiedene Gesetze über die Aufnahme und Verwaltung der Reichsschulden. Die Verwaltung der Reichsanleihen wird an die in "Reichsschuldenverwaltung" umbenannte Hauptverwaltung der Staatschulden übertragen.

13. Februar 1924

Die zweite "Reichsschuldenordnung" legt nach der Währungsreform die Art der Kreditaufnahme fest und bestätigt die Unabhängigkeit der Behörde.

Diese bezieht im selben Jahr ihr neu errichtetes Dienstgebäude in der Oranienstraße in Berlin.

24. März 1933

Im Rahmen des "Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich" ("Ermächtigungsgesetz") wird das Kreditbewilligungsrecht des Reichstages auf die Reichsregierung übertragen.

1937

Das "Depotgesetz" beschließt die Zulassung von Wertpapiersammelbanken, wodurch eine kostengünstige und schnelle Emission von Wertpapieren als Buchforderungen (Wertrechte) ermöglicht wird.

1938

Durch die Einführung des Hollerith-Lochkartensystems wird der Anteil von stückelosen Wertpapieren massiv erhöht.

3. Februar 1945

Zerstörung der meisten Schuldbuchakten durch einen Luftangriff auf die Reichsschuldenverwaltung in der Oranienstraße.

1. Juni 1945

Die Liegenschaftsverwaltung stellt der Reichsschuldenverwaltung ein Gebäude in Berlin Grunewald zur Verfügung.

17. Januar 1946

Die Schuldenverwaltung wird der Alliierten Militärkommandantur unterstellt.

März 1948

Umbenennung der Reichsschuldenverwaltung in Berlin in "Verwaltungsgruppe für Archive der ehemaligen Reichsschuldenverwaltung".

13. Juli 1948

Mit dem "Gesetz über die Errichtung einer Schuldenverwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes" wird die "Schuldenverwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes" mit Sitz in Bad Homburg v.d.H. als kleinste der bizonalen Dienststellen (drei leitende Beamte) errichtet.

Die Abwicklung des Londoner Schuldenabkommens (1953) wird später zu ihren ersten großen Aufgaben zählen.

13. Dezember 1949

Durch die "Verordnung über die Bundesschuldenverwaltung" erhält die Behörde den neuen Namen "Bundesschuldenverwaltung" (BSV) und wird in die Verwaltung des Bundes überführt.

1. April 1951

Der Bund übernimmt die "Verwaltungsgruppe für Archive der ehemaligen Reichsschuldenverwaltung" in Berlin und unterstellt diese unter der Bezeichnung "Archiv der Bundesschuldenverwaltung" der BSV.

1. April 1955

Das Archiv der BSV wird in "Außenstelle Berlin der BSV" umbenannt.

1958

Die Behörde übernimmt die Aufgaben zur Regelung der Inneren Altschulden nach dem "Allgemeinen Kriegsfolgengesetz" (AKG). Für die Durchführung wird eine Dienststelle am Platz der Luftbrücke in Berlin-Tempelhof eingerichtet.

Der Bundesschuldenverwaltung werden Aufgaben aus dem Münzwesen (Verkaufsstelle für Sammlermünzen) übertragen.

1969

Aufnahme des Privatkundengeschäftes durch die Auflegung des ersten Schatzbriefs Typ A. Ihm folgen noch im gleichen Jahr der Typ B, 1975 die Finanzierungsschätze sowie 1979 die Bundesobligationen.

Anfang 2000

Aufgrund des Gutachtens eines externen Beraters beschließt der Bundestag die Übertragung der wesentlichen Aufgaben der Durchführung des Kreditmanagements auf eine bundeseigene GmbH mit dem Ziel einer mittelfristigen Zentralisierung.

19. September 2000

Gründung der "Bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH" ("Finanzagentur") mit Sitz in Berlin durch Abschluss des Gesellschaftervertrages. Im Januar 2001 wurde der Firmensitz nach Frankfurt am Main verlegt.

In einem ersten Schritt werden die bis dato vom Bundesfinanzministerium wahrgenommenen Aufgaben der Kreditaufnahme und des Schuldenmanagements auf die Finanzagentur übertragen.

11. Juni 2001

Unter den ersten Geschäftsführern Dr. Peter Jabcke und Gerhard Schleif startet das operative Geschäft im Geldmarktbereich.

1. Januar 2002

Durch das "Gesetz zur Neuordnung des Schuldbuchrechts des Bundes und der Rechtsgrundlagen der Bundeswertpapierverwaltung" ("Bundeswertpapierverwaltungsgesetz") wird die Bundesschuldenverwaltung unter dem neuen Namen "Bundeswertpapierverwaltung" (BWpV) eine Bundesoberbehörde und der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesfinanzministeriums unterstellt. Das Gesetz liefert die Ermächtigungsgrundlage zur Auslagerung wesentlicher Teile des Schuldenmanagements im Aufgabengebiet der BWpV zur Finanzagentur. An die Stelle des Bundesschuldenausschusses tritt ein parlamentarisches Gremium, das ausschließlich aus Mitgliedern des Deutschen Bundestages besteht und vom Bundesfinanzministerium über alle Fragen des Schuldenmanagements und der Kreditaufnahme des Bundes unterrichtet wird.

1. Januar 2006

Das Bundesministerium der Finanzen überträgt den Versand von Sammlermünzen ab 1. Januar 2006 auf die Deutsche Post AG (Geschäftsbereich Philatelie).

12. Juli 2006

Das "Gesetz zur Modernisierung des Schuldenwesens des Bundes" ("Bundesschuldenwesenmodernisierungsgesetz") verfügt die vollständige Übertragung aller bisher von der BWpV im Bereich des Schuldenwesens wahrgenommenen Aufgaben auf die Finanzagentur, sowie die Auflösung der BWpV mit Ablauf des 31.07.2006.

1. August 2006

Mit der Auflösung der BWpV und der Überantwortung ihrer Aufgaben auf die Finanzagentur wird ein "Schuldenmanagement aus einer Hand" möglich.

1. Juli 2008

Nach mehr als dreißig Jahren erweitert der Bund mit der Einführung der Tagesanleihe sein Produktangebot für Privatanleger.

8. Juni 2010

Der Rat der europäischen Finanz- und Wirtschaftsminister mandatiert die Finanzagentur als Dienstleister für den Marktauftritt des Europäischen Rettungsfonds "European Financial Stability Facility" ("EFSF"). Die Finanzagentur leistet u.a. die Emission und Übernahme von Finanzierungsinstrumenten im Namen und für Rechnung der EFSF sowie deren Liquiditäts- und Risikomanagement. Die Beauftragung läuft zum Jahresende 2013 aus.

19. September 2012

Eine Änderung der §§ 4a bis 4k des "Bundesschuldenwesengesetzes" ("BSchuWG") ermöglicht die Einführung sogenannter Umschuldungsklauseln für Bundeswertpapiere. Eine entsprechende Textpassage wird zum 1. Januar 2013 in die Emissionsbedingungen aufgenommen, um damit einer Anforderung aus dem ("European Stability Mechanism") "ESM"-Vertrag nachzukommen.

31. Dezember 2012

Zum Jahreswechsel 2012/2013 wird der Direktvertrieb von Bundeswertpapieren für private Anleger eingestellt. Es enden die Auflegung neuer Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze, das Direkterwerbsangebot für Bundesobligationen und die Tagesanleihe sowie die Verwahrung neu begebener Bundeswertpapiere.

26. Juni 2013

Erstmalig begibt der Bund gemeinsam mit zehn Ländern eine Anleihe. Diese hat eine Laufzeit von sieben Jahren und ein Volumen von 3 Mrd. €. Die Emittenten der Bund-Länder-Anleihe haften teilschuldnerisch in Höhe ihres jeweiligen Anteils am Emissionsvolumen. Der Bund partizipiert mit 13,5 Prozent.